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Textdaten
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Autor: Lukian von Samosata
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Titel: Die Opfer
Untertitel:
aus: Lucian’s Werke, übersetzt von August Friedrich Pauly, Drittes Bändchen, Seite 330–340
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 2. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1827
Verlag: J. B. Metzler
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Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer: August Friedrich Pauly
Originaltitel: Περὶ Θυσιῶν
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scan auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[330]
Die Opfer.

1. Man müßte in der That in einer sehr niedergeschlagenen Stimmung seyn, wenn man das Benehmen des einfältigen Volkes bei seinen Opfern, Festen und feierlichen Tempelbesuchen betrachten, und die Vorstellungen, die sich die Leute von den Göttern machen, die Bitten und Gelübde, die sie gen Himmel schicken, mit anhören könnte, ohne die Ungereimtheit aller dieser Dinge höchst lächerlich zu finden. Vor allen Dingen aber wird man versucht, die Frage bei sich aufzuwerfen, ob man die Menschen, die so unedel und niedrig [331] von der Gottheit denken, um sich einzubilden, sie bedürfe der Menschen, und freue sich, von ihnen geschmeichelt zu werden, und zürne, wenn man sie vernachlässigt, ob man solche Leute für gottesfürchtig und fromm, oder nicht vielmehr für Feinde der Götter halten soll, die in einem unglückseligen Wahne befangen sind. Sie erzählen zum Beispiel, jene traurigen Auftritte in Aetolien, die Unglücksfälle der Calydonier, der gewaltsame Tod so vieler Menschen, das jämmerliche Ende des Meleager, alles dieses wäre das Werk der Diana gewesen, die es sehr übel genommen, daß König Oeneus sie nicht zu seinem Opferfeste eingeladen hatte. So tief also gieng es der Göttin zu Herzen, um einen Schmaus zu kurz gekommen zu seyn! Ist mir doch, als sehe ich sie, wie sie, während alle Götter zu Oeneus sich begeben haben, allein im Himmel sitzt und vergehen möchte vor Aerger bei dem Gedanken an das herrliche Fest, von welchem sie ausgeschlossen seyn soll.

2. Dagegen werden wohl die Aethiopier dreimal selig zu preisen seyn, wenn sich Jupiter einmal der großen Gefälligkeit erinnern wird, mit welcher sie ihn einst sammt den übrigen Göttern, die er mit sich gebracht, ganze zwölf Tage nach einander zu Gaste hatten. Es scheint nun einmal, daß die Götter nichts, was sie thun, unentgeldlich thun. Sie verkaufen ihre Güter an die Menschen. Die Gesundheit läßt sich, wenn es gut geht, um ein Kalb erhandeln, das Reichwerden um vier Ochsen, ein Königsthron aber kostet schon eine Hecatombe: um mit heiler Haut von Troja nach Pylus zu kommen, sind neun Stiere, und für die glückliche Ueberfahrt von Aulis nach Troja, ist eine königliche Jungfrau [332] erforderlich. Hecuba mußte es von der Minerva mit zwölf Ochsen und einem schönen Kleid erkaufen, daß Troja nicht schon früher einmal eingenommen wurde. Auch läßt sich vermuthen, daß viele Dinge ihnen um einen bloßen Hahn, um einen Blumenkranz, oder auch nur um ein Bischen Weihrauch feil sind.

3. Das Alles muß der alte, im Götterwesen erfahrene Priester Chryses wohl gewußt haben: er war bei Apoll mit so mancher Gefälligkeit im Vorschuß; als er aber dennoch unverrichteter Sachen von Agamemnon abziehen mußte, fieng er an, mit seinem Gotte zu rechten, forderte seine Auslage von ihm zurück, und ließ ihn, beinahe in dem heftigen Tone des Vorwurfs, also an: „Wie oft schon, mein schöner Apoll, habe ich deinen, sonst immer unbekränzten, Tempel mit Kränzen geschmückt, wie oft schon fette Schenkel der Stiere und Ziegen auf deinen Altären verbrannt! Und du siehst unbekümmert dem Unrecht zu, das ich leide, und machst dir nichts aus deinem Wohlthäter!“ Und wirklich, Apoll schämte sich ob diesem Vorwurfe, nahm Bogen und Pfeile, setzte sich auf eine Anhöhe über dem Griechischen Lager bei den Schiffen, und schickte einen Regen seiner Pestgeschosse auf die Achäer und ihre Maulesel und Hunde.

4. Bei Gelegenheit des Apoll will ich doch noch einiges Andere erwähnen, was die „weisen Leute“ von ihm zu sagen wissen; ich meine hier nicht seine unglücklichen Liebesabenteuer, des Hyacinthus trauriges Ende, oder die Geschichte mit der spröden Daphne, sondern einen weit schlimmer Auftritt. Er hatte nämlich die Cyclopen getödtet, und wurde dafür förmlich zur Verbannung verurtheilt und aus dem [333] Himmel auf die Erde geschickt, um hier das Loos der Menschen zu theilen. Wirklich verrichtete er in Thessalien bei Admet, und in Phrygien bei Laomedon Tagelöhnersdienste. Bei letzterem war er jedoch nicht allein, sondern in Gesellschaft Neptun’s. Beide waren hier vom Mangel genöthigt, Ziegel zu streichen und die Mauern von Troja bauen zu helfen, wofür ihnen der Phrygier nicht einmal ihren ganzen Lohn auszahlte, sondern über dreißig Trojanische Drachmen ihnen schuldig geblieben seyn soll.

5. Diese und noch andere viel erbaulichere Geschichtchen von Vulcan, Prometheus, Saturn, der Rhea und fast Jupiter’s ganzer Familie, erzählen uns die Poeten mit sehr wichtiger Miene. Das Schönste ist, daß sie im Anfang ihrer Gesänge die Musen um Beistand anrufen; man muß also annehmen, daß sie göttlicher Eingebung voll uns singen, wie Saturn, nachdem er seinen Vater Uranus entmannt, und den Himmelsthron bestiegen, gleich dem Thyest aus Argos, seine eigenen Kinder auffraß; wie Rhea den Jupiter rettete, indem sie statt seiner dem Saturn einen Stein zu verschlingen gab, und darauf das Kind in Creta aussetzte, wo es von einer Ziege gesäugt ward, gerade wie Telephus von einer Hirschkuh, und der ältere Cyrus von einer Hündin; wie ferner Jupiter seinen Vater vom Throne stößt und in’s Gefängniß wirft, und die Herrschaft behauptet; wie er verschiedene Weiber gehabt, zuletzt aber nach Persischer und Assyrischer Sitte seine leibliche Schwester Juno heurathete, und wie es ihm bei seinem verliebten Temperamente und sonderlichen Vermögen ein Leichtes gewesen, den ganzen Himmel mit Kindern anzufüllen, indem er theils mit Ebenbürtigen welche zeugte, [334] theils aber auch von etlichen sterblichen Erdenbewohnerinnen mit Bastarten beschenkt wurde: verwandlungsreicher als selbst Proteus wäre der Ehrenmann bald zum Stier, bald zum Schwan, bald zum Adler, ja sogar zu Golde geworden; und nur die einzige Minerva hätte er lediglich innerhalb seines Gehirnes erzeugt und aus seinem Haupte geboren, den Bacchus hingegen aus seiner brennenden Mutter Leib halb ausgetragen gerettet, in seinem Schenkel verschlossen, und, als die Wehen sich einstellten, herausgeschnitten.

6. Aehnliches wissen sie uns auch von der Juno zu singen: sie habe ohne Zuthun eines Mannes, von einem Lufthauch angeblasen, den Vulcan empfangen und geboren, einen Sohn, dem nicht das glücklichste Loos zu Theil ward. Er ist, sagen sie, ein gemeiner Handwerker, ein rußiger Schmidt, der sein ganzes Leben im Qualm seiner sprühenden Feueresse zubringen muß, und noch dazu gar übel auf den Füßen ist. Ein Fall nämlich auf die Erde, als ihn Jupiter aus dem Himmel schmiß, hatte ihm auf immer die Füße gelähmt; und hätten ihn damals die Lemnier nicht noch glücklicherweise aufgefangen, so wäre uns der gute Vulcan zu Grunde gegangen, wie einst Astyanax, als er von einem Thurme herabstürzte. Doch die Sagen von Vulcan sind noch erträglich: aber wer weiß nicht, wie es dem Prometheus ergieng, weil er den Menschen etwas zu eifrig zugethan war? Ließ ihn Jupiter nicht nach Scythien abführen und an den Caucasus schmieden, wo ihm beständig ein Adler zur Seite ist, um ihm tagtäglich auf’s neue die Leber auszuhacken? So büßte dieser das Verbrechen der Menschenliebe!

[335] 7. Und was die alte Göttermutter Rhea thut, ist hier zu bemerken gleichfalls nicht am unrechten Orte. Dieses längst verblühte alte Weib scheut sich nicht, in schöne Knaben bis zur Eifersucht verliebt zu seyn, und begeht sogar die Unanständigkeit, ihren Attis neben sich auf ihren Löwenwagen zu setzen, ungeachtet dieser eine – taube Nuss ist. Wie sollte man es da einer Venus verübeln, wenn sie es im Punkte der ehelichen Treue so genau nicht nimmt, oder einer Luna, wenn sie sich aus ihrer Bahn ein Paarmal auf Endymion herabsenkt?

8. Doch um uns nicht länger bei diesen Scenen aufzuhalten, wollen wir einen poetischen Flug nehmen, und gerade so, wie es Homer und Hesiod machten, uns in den Himmel selbst emporschwingen, um zu sehen, wie Alles da oben eingerichtet ist. Daß das Himmelsgewölbe auf seiner Aussenseite von Erz ist, hat uns Homer schon längst gesagt. Wenn man nun über das Gewölbe hinaufgestiegen ist, und es ganz hinter sich hat, so erscheint das Licht heller, die Sonne reiner, die Sterne strahlender: allenthalben ist lichter Tag, der Fußboden aber ist von klarem Golde. Gleich am Eingang wohnen die Horen als die Thürhüterinnen; sodann kommen die Wohnungen der Iris und des Merkur, als der Diener und Boten des Jupiter. Weiterhin erscheint Vulcan’s Schmiede, die voller Instrumente und Kunstwerke ist. Hierauf folgen nach einander die Palläste der Götter und Göttinnen, und endlich Jupiter’s königliche Burg. Alles dieses hat Vulcan auf’s prächtigste gebaut und eingerichtet.

9.

Aber die Götter, gelagert um Zeus[1]

[336] (Denn da wir so hoch sind, schickt sich’s, dünkt mich, nicht immer auf dem Boden der Prosa zu bleiben) schauen auf die Erde herab und spähen nach allen Seiten, ob sie nicht irgendwo ein Opferfeuer brennen sehen

Und hochwallenden Duft in wirbelndem Rauche gen Himmel.[2]

Wenn ihnen nun ein Sterblicher opfert, so lassen sie sich’s wohl seyn, schnappen nach dem Dampfe, und schlürfen so gierig, wie die Fliegen, das Blut ein, welches um die Altäre gegossen wird. Sind sie aber auf Hausmannskost beschränkt, so besteht ihre Mahlzeit aus Nectar und Ambrosia. Vor Zeiten wurden auch Menschen zu ihrer Tafel gezogen, wie Ixion und Tantalus. Da sie sich aber Unverschämtheiten erlaubten, und nichts bei sich behalten konnten, was hier oben gesprochen ward, so wurden ihnen Strafen zuerkannt, die auch jetzt noch fortdauern: und seitdem ist dem sterblichen Geschlechte der Himmel verschlossen und verboten.

10. So verhält es sich mit der Lebensweise der Götter. Diesem gemäß haben auch die Menschen ihre gottesdienstlichen Gebräuche eingerichtet. So bestimmten sie zu ihrer Verehrung Hayne, weihten ihnen Berge, bezeichneten Vögel, Gewächse und dergleichen als diesem oder jenem Gotte geweihte Gegenstände. Sodann theilten sich die verschiedenen Völker noch insbesondere in die Verehrung derselben: jedes machte einen der Götter zu seinem Landmanne: so der Delphier und Delier den Apoll, der Athener die Athene (Minerva), in welch letzterem Falle man natürlich die Verwandtschaft [337] mit der Namenähnlichkeit beweist; der Argiver die Juno, der Mygdonier die Rhea, der Paphier die Venus. Die Creter aber rühmen sich nicht nur, daß Jupiter bei ihnen geboren und erzogen worden, sondern wissen sogar auch sein Grab zu zeigen, und wir Alle waren seit so langen Zeiten einfältig genug, uns einzubilden, Jupiter sey immer noch der alte Donnerer, Wolkenverwalter und Weltregierer, und wußten nicht, daß er längst gestorben ist und in Creta begraben liegt.

11. Damit aber diese Götter nicht ohne Haus und Heerd wären, erbaute man ihnen Tempel, und stellte ihre Bilder hinein, zu deren Verfertigung man die Praxiteles, Phidias und Polyclete zu Hülfe rufen mußte. Der Himmel weiß, wo diese die Originale zu Gesicht bekamen: genug sie bilden uns den Jupiter mit einem starken Barte, den Apoll in ewiger Jugend, den Merkur als reifern Jüngling, den Neptun dunkelgelockt, die Minerva mit großen Eulenaugen. Und nun geht man in den Tempel und sieht nicht mehr das Indische Elfenbein und das Gold aus den Thracischen Bergwerken, sondern den leibhaften Sohn des Saturn und der Rhea, wie ihn Phidias auf die Erde gebannt, und ihm befohlen, das einsame Pisa zu hüten, wo er zufrieden seyn muß, wenn ihm alle fünf Jahre der Eine oder der Andere bei Gelegenheit der Olympischen Spiele ein Opfer darbringt.

12. Wenn man nun ein Opfer darbringen will, so werden Gefäße mit Weihwasser rings um den Altar gestellt, die Formel, welche den Profanen sich zu nähern verbietet, feierlich ausgesprochen, und hierauf das Thier herbeigeführt. Der Landmann bringt einen Pflugstier, der Schäfer ein Lamm, [338] der Ziegenhirt eine Ziege; ein Anderer liefert Weihrauch oder Honigkuchen. Der Arme versöhnt seinen Gott auch wohl mit einem bloßen Handkusse. Das Thier aber wird (um auf die Opfer zurückzukommen) bekränzt, und damit nichts Unreines geopfert werde, zuvor genau untersucht, ob es vollkommen tadellos ist; dann führt man es zum Altare und schlachtet es im Angesichte des Gottes. Wenn nun das arme Thier jammervolle Töne von sich stößt, so werden sie, wie natürlich, als Laute guter Vorbedeutung ausgelegt, und das Röcheln seiner hinsterbenden Stimme ist die Musik zu dieser feierlichen Handlung. Wie kann man zweifeln, daß das Ganze den Göttern ein höchst genußreiches Schauspiel seyn müsse?

13. Eine Tafel mit einer Aufschrift verbietet zwar den Zutritt innerhalb jener Weihwassergefäße Jedem, der nicht reine Hände habe: dem ungeachtet steht der Opferpriester selbst mit Blut über und über besudelt mitten im heiligen Kreise, zerstückt wie ein zweiter Cyclop das geschlachtete Thier, löst die Eingeweide und reißt das Herz heraus, umgießt den Altar mit dem Blute, und verrichtet, was weiß ich was für manche andere heilige Ceremonien. Hierauf wird das Feuer angezündet, der Priester legt die Ziege sammt ihrem Fell, das Schaf mit seiner Wolle auf die Flamme, und nun wallt jener köstliche, götterwürdige Opferdampf hoch empor, und verbreitet sich allmählig durch den ganzen Himmel. Den Scythen hingegen sind thierische Opfer für die Götter zu gemein: sie bringen daher ihrer Diana Menschen dar, und erwerben sich so das besondere Wohlgefallen dieser Göttin.

[339] 14. Wiewohl diese, und die Gebräuche der Assyrier, Phrygier und Lydier, könnte man sich zur Noth noch gefallen lassen. Aber wenn wir erst nach Egypten kommen, da sehen wir ehrwürdige Gestalten, die dem Himmel Ehre machen. Jupiter erscheint hier mit einem Widderkopfe, der vortreffliche Merkur hat ein Hundegesicht, und Pan ist dort vollends ganz zum Bock geworden. Auch verehren sie an einigen Orten einen Ibis, an andern ein Crocodil, wieder an andern einen Affen.

Wolltest du aber auch dieses erkunden, daß du es wissest,[3]

so laß dir von einem der vielen dortigen Weisen, Schriftgelehrten und kahlgeschorenen Propheten (freilich nur, wenn zuvor der Ruf erscholl: „Bleibt ferne, ihr Profanen!“) erzählen, wie die Götter aus Furcht vor dem Aufstand, den die Giganten, ihre Feinde, gegen sie erregt hätten, nach Egypten geflohen, in der Hoffnung, hier vor ihren Gegnern geborgen zu seyn. In der Angst hätte dann der Eine Bocks-, der Andere Widder-Gestalt angenommen, ein Dritter sich in einen Vogel, ein Vierter in ein Crocodil verwandelt, und so weiter. Aus diesem Grunde würden diese Gestalten bis auf den heutigen Tag den Göttern beibehalten. Dieß gründet sich natürlich auf eine mehr als zehentausend Jahr alte schriftliche Urkunde, die seither im Allerheiligsten ihrer Tempel aufbewahrt wird.

15. Uebrigens sind ihre Opfer dieselben, wie anderwärts, nur mit dem Unterschiede, daß sie das Opferthier betrauern, und, sobald es geschlachtet ist, einen Kreis um dasselbe schließen [340] und eine laute Wehklage erheben: auch giebt es Einige, die das Thier bloß abschlachten und dann verscharren. Wenn aber der Stier Apis, ihr größter Gott, stirbt, da ist Keinem sein Haupthaar so lieb, der es sich nicht abscheeren ließe, um mit seinem Kahlkopf seine tiefe Trauer zu bezeugen, und wenn er die Purpurlocke des Nisus besäße. Da übrigens dieser Apis ein Gott ist, den man aus der Heerde nimmt, so wird sein Verlust bald wieder durch die förmliche Wahl eines andern ersetzt, der an Schönheit und stattlichem Ansehen vor den gemeinen Rindern hervorragt. – Doch es wäre vergeblich, über alle diese Thorheiten, an welchen der Volksglaube hängt, sich in ernste Rügen und Zurechtweisungen einzulassen; man kann hier bloß die Rolle des Heraclit, oder die des Democrit spielen, und sich entweder, wie der Letztere, über die Narrheit der Leute lustig machen, oder ihren Unverstand beweinen.



  1. Iliade IV, 1.
  2. Iliade I, 317.
  3. Iliade VI, 150.