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Der Pfannenflicker (Die Gartenlaube 1897/42)

Textdaten
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Autor: Karl Wolf-Meran
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Titel: Der Pfannenflicker
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 700–702
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Der Pfannenflicker.
Charakterskizze aus Tirol. Von Karl Wolf-Meran.

Vor dem Eggerhofe ist heute großes Kinderfest. Der Pfannenflicker ist da! Die Kinder drunten in der Stadt, mitten im Getriebe der Welt, die Kinder in den Dörfern, wo es allerwegs Abwechslung giebt, ahnen nicht, was für ein Ereignis es ist, wenn auf einem einsamen Berghofe ein Handwerker ankommt, ein Hausierer, ein Händler, oder sonst wer aus der großen, weiten Welt.

Und ein solcher großer Tag war just heute auf dem Eggerhof. Der alte Pfannenflicker hatte seine Kraxe abgeladen, sein Werkzeug auf der breiten Bank auf dem Solder ausgebreitet und dann fest in den Boden seinen Stock geschlagen, der war sein Amboß. Nun wickelte er aus seinem Taschentuche die mit Messing eingefaßte Brille, wischte mit dem Daumen und Zeigefinger die Gläser rein und nun konnte die Arbeit losgehen.

Erfreut über seine Ankunft, sagte die Eggerbäuerin „I mai, ’s Pfannenflickerle ist da! Ja grüaß Gott wünsch’ i und pfüat Gott sag’ i erst in fünf, sechs Tag, denn eher laß i di nit fort. Schon ganz g’wiß nit! Bleibst mir nou drei Woch’n aus, meiner Seel und Gott, i hätt’ nit g’wußt, mit was koch’n, so schaut mein G’schirr aus.

Da huschte ein Schmunzeln über das hagere, alte, faltige Gesicht des Pfannenflickers. „A schau, da hätt’ i’s a mal gar recht troff’n mit der Flickerei. Ist mir recht, Eggerin, gar aus recht. Fast nimmer koch’n können? Wär’ fein schad, Bäurin, denn in deinen Pfannen geht’s gar schmalzig her, nit so trockn wie drunt bei der Kundlerin, oder so mager wie bei der Saltenhoferin, oder so g’sparig wie bei der Zwickin.

Geschmeichelt wischte sich die Bäurin ihre mehligen Hände an der blauen Schürze ab, denn sie war gerade beim Knödlteig anmachen gewesen. „Sollst heut’ Strauben bekummen Pfannenflickerle, goldiggelbe und Zucker drauf g’sät.“

„Nit sou gach, Bäurin,“ jubelte der alte Pfiffikus, „nit sou gach, sonstern mein’ i, i war verstorben und wach’ jetz g’rad’ im Himmelreich auf!“

Die Bäuerin zog sich lachend in die Küche zurück, um alle schadhaften Pfannen und Töpfe zusammenzusuchen und vor allen Dingen den Kaffee zu rösten, welchen der Bauer gestern aus der Stadt gebracht hatte.

Der Pfannenflicker, der mitten unter den sechs Kindern des Hofes hockte, schnupperte mit seiner Nase in die Luft, als er den Geruch der Bohnen verspürte, und dann wendete er sich an den ältesten der Buben. „Hansele,“ sagte er, „jetzt sperr’ deine Ohrwaschel auf, i will dir a Botschaft auftragen, für die Mutter: ’s Pfannenflickerle, sagst, hätt g’sagt, sagst, es thät ihm schon gäraus nit taugen, wenn er ein Schüssele Milch bekäm, wie es halt gebräuchlich, wenn er in der Fruh auf einen Hof käm', sagst, das seien preußische Farben, ’s rußige Pfannenflickerle und die weiße Milch, sagst, s’ Pfannenflickerle sei anno sechsundsechzig, sagst, beim Militär Soldat g’west, sagst, und kann die zwei Farben nit leiden. Die Preuß'n hätten damals G’wehr gehabt, hintertückische, weil sie hinten ummer g’laden worden seien. Und da seien wir mit unsere vordertückischen auf alle Weis’ zu kurz kummen, sagst. Seit der Zeit seien dem Pfannenflickerle die weiß-schwarzen Farben garaus zuwider, sagst, und die Bäuerin, wenn sie einen Kaffee brächt, sagst, nachher kämen die österreichischen Farben zammen, ’s schwarze, rußige Pfannenflickerle und der goldig gelbe Kaffee, sagst.

Dieser Vortrag hatte auch richtig Erfolg. Nach gar nicht langer Zeit brachte die Bäuerin eine Schüssel Kaffee, die sich der Pfannenflicker prächtig schmecken ließ.

Dann aber machte er sich mit großem Eifer über das Küchengeschirr her. Da und dort nietete er auf ein Pfannenloch ein rundes Eisenblättlein, umstrickte einen gesprungenen Topf mit einem Drahtnetz, flickte die Gewichtskette der alten Uhr in der Stube zusammen dem „heiligen Geist über dem Eßtisch“ heftete er den halb abgebrochenen rechten Flügel mit Draht fest und der Wollkarlatsche (Instrument zum Flockigmachen der Wolle) setzte er die ausgegangenen Zähne alle frisch ein. Mit Staunen verfolgten die Kinder die Geschäftigkeit des alten Pfannenflickers, und wenn eines oder das andere zu einer Handleistung herangezogen wurde, so wußte es vor Stolz fast nicht mehr wo ein und wo aus. Und als er nun gar einen Fensterflügel in der Stube aushob, eine Glasscheibe flach auf den Tisch hinlegte und daraus ein Stück zurechtschnitt für die eingeschlagene Stelle, stieg er im Ansehen der Kinder ganz gewaltig. Die gebrochene Scheibe hatte dem Hansele damals für einige Zeit das Sitzen verleidet, solche Folgen zog das Hinausstoßen derselben nach sich. Und der Pfannenflicker machte drei-, viermal „Ritsch, ritsch,“ dann einigemal „Krix-krax“ und eine neue Scheibe lag fertig da.

Mittag aß der Pfannenflicker allein auf der Bank vor dem Hause.

„Pfannenruß und Tischzeug taugt nit zammen,“ sagte er. „Auf z’ Nacht aber schwänz[1] i mi sauber und zelm Diandlen gebt’s acht, daß enkere Herzlen nit springen wie a Hafele. Dieselbe kann i nit zamme flicke mit Draht.“

Den Leuten auf dem Eggerhofe war es auch ganz recht, daß der Pfannenflicker sein Mittagsmahl allein verzehrte. Der Bauer sah es nicht gerne, wenn da viel herumgeredet wurde. Frisch gegessen und dann wieder munter bei der Arbeit, so wollte er es gehalten haben. Am Abend jedoch, nach dem Rosenkranze, da war ein Heimgart mit dem närrischen Pfannenflicker sehr angenehm. Und so kam es auch.

Die Leute knieten auf der Bank an den Fenstern und die Weiber in der dunklen Stube, die Ellbogen auf einen Stuhl aufgestützt, und beteten abwechselnd den Rosenkranz, da zupfte das kleine Lenerl die Mutter an der Schürze: „Du gelt, heut’ därf i aufbleiben und dem Pfannenflickerl auflos’n?“[2]

„G’wundrig bin i, was der Pfannenflicker heut’ auftischt,“ flüsterte ’s Michele dem Sepp zu und das Rosele drüben in der Ecke drückte die gefalteten Hände an die bebenden Lippen. Sie war schon ein Jahr als „Jungdirn“ auf dem Eggerhofe und da war es ihr sonst sehr angenehm. Unten im Dorfe spöttelten sie das Findelkind immer aus und ihr junges, fünfzehnjähriges Herzchen war schon voller Bitternis, so daß für die Freude fast kein Platz mehr war. Als der Pfannenflicker das letzte Mal auf dem Hofe war, sagte er zu ihr: Rosele, wenn i z’nächst kumm, haben die fünfzehner Jahrlen ausg’schlag’n bei dir. Dieweil hat die Sonnen die Blümerln alle aufg’weckt und da bring i dir nachher an Gruß von deiner Mutter. O wie oft hatte sie sich gesehnt, von ihrer Mutter, von ihren Eltern zu hören! Aber das von allen Seiten verhöhnte und verspottete Findelkind hatte nie eine Frage gewagt.

Und heute war er gekommen, ihr einziger Freund. Nach dem Rosenkranz saßen die Leute noch alle in der kleinen getäfelten Stube. Der Knecht nagelte seine schweren Bergschuhe frisch auf, denn morgen mußte er ins Wildheuen, und die zwei Dirnen richteten unter vielem Kichern und Gelächter ihre weißen, weiten Leinenhosen zurecht, denn auch sie mußte hinaus in die Wände und Schrofen, um zu helfen. Da taugt der Weiberkittel nicht. Die Mutter strickte und der Bauer schmauchte sein Pfeifchen. In dichtem Schwarm umstanden die Kinder den Pfannenflicker.

„Heut,“ plauderte dieser, „will i grad’ a mal von meiner fürnehmen Hantierung red’n. In der Stadt drunt ist a Schriftgelehrten, der steckt sein Nas’n Tag und Nacht in die Bücher und tüftelt aus, was die Leut alles gleichschauen auf der Welt. So a Tüftler bin i a. I tüftl die Sach aber aus die Pfannen und nit aus die Bücher. A Pfann’ und a Mensch ist allbeid ein Lebenslauf. Kaum steckst dein Nas’n in die Welt brauchst schon a Pfannen. Winzig kloan, g’ed’ für a drei, vier Löff’l Kindsmuas. Und mit ’n Kind wachst a d’ Pfannen. Da der Michele drent, gelt Muater der braucht schon a woltenes Pfandl? Und so steigt’s und wachst’s ’s Pfandl und der Mensch. Gach ists schon kein Pfandl mehr, glei a Pfannen, und der Mensch a Bua oder a Diandl a mudl saubers.

[701] Jetztern kummt der Stillstand. Verliabte Leut brauchen kein große Pfannen, die Lieb zehrt und nährt.

Aber nachher! Hui nachher! Jetzt her mit einer Pfannen, weit und breit, und tief! Erst eß'n zwei, nachher drei, nachher vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn.

„Oha, oha! aufhärst!“ schrieen und lachten die Leute alle durcheinander.

Der Pfannenflicker ließ sich jedoch nicht aus der Fassung bringen. Langsam drehte er sich auf seinem Schemel herum, gegen den Bauer.

„Wie lang’ bist verheiratet?“

„Mei,“ antwortete der Bauer, strich sich mit der rechten Hand die Haare glatt in die Stirne und schaute hinauf zum Oberboden, als wäre dort die Jahrzahl seiner Verehelichung aufgeschrieben. „Jetz wart lei. Wenn ist die sell große Trück’n gwest? Im selben Jahr, wo dem Brentacher die große Kuh hin gword’n ist. Teufl, daß mir’s Jahr nit einfallt.

„O geh, du Schiacher,“ lachte die Bäuerin hinein, „sechs a halb Jahr sein mir halt beinand.“

„Alsdann, was übertreib’ i denn,“ eiferte der Pfannenflicker. „Sechs junge Egger und Eggerinnen stehn da in der Stuben. Kannst no a Weil’ zähl’n, Bäurin. – Jetzt wo bin i stehn blieben? Ja richtig! – Da sitz’n a großmächtiger Haufn Kinder um den Tisch und da verlangt’s a mächtige Pfannen.

Dös hebt si so a zehn – fufzehn Jahrlen, nachher beginnt wieder der Abbau. Die Kinder gehn fort in die Welt außi, die Mutter nimmt schon a schmälere Pfannen, und gar nit wissen thust, wo die Zeit hin ist – sitz’n die zwei Leutlen im Ausgeding hinter an kloan Pfandl. Und auf z’ letzt pappelet die Alte ihr Ahndl g’rad’ so mit an Milchmüasl auf wia zu Anfang. A Pfandl mit fünf – sechs Löffel langt g’rad’ g’nuag.

Schweigend saßen die Leute eine Zeit lang da und dachten über den Vergleich des alten Männleins nach, die Pfannen und das menschliche Leben. „Jetzt geh’ i fensterln, mit Verlab, schmunzelte der Alte. „O beleib, zu dir nit, Anna,“ drohte er zu den Mägden hinüber, „und zur Burgl a nit und a nit zum Barbele. I spitz auf a ganz junge. Ja ja, ich bin a Hoagler[3], i der Pfannenflicker!“

Die Leute ließen den Spaßvogel gewähren, denn die Bäuerin hatte ihnen schon früher einen Wink gegeben, der Pfannenflicker bringe dem Rosele eine wichtige Nachricht. Das stille, traurige Kind hatten alle Leute auf dem Eggerhofe gern und von Herzen wünschte jedes, die Nachricht möge eine gute sein. Der Pfannenflicker trat in die finstre, rußige Küche, nahm ein Scheit und zündete sich sein Pfeifchen an.

Auf der Herdecke saß das Rosele und erwartete hochklopfenden Herzens die Anrede des alten Freundes.

„Rosele, da herinnen in der Kuchl kann i nit redn, wie mir’s ums Herz iß. I muß den freien Himm’l über mein Kopf haben, wenn mir die Wort aus ’m Herz aufsteig’n soll’n.“

Draußen auf der Wiesenecke stand eine alte kleine Kapelle mit dem Bilde der schmerzhaften Mutter Gottes. Dahin schritten die beiden Leute. Der alte Mann setzte sich auf einen Stein und Rosele kauerte ihm zu Füßen auf den Boden. Unten in der Ebene funkelten hier und dort dicht gesät Lichter, das war die kleine Stadt und ihre Nachbardörfer. Dunkel stiegen die Berge gegen den Nachthimmel in die Höhe, und vereinzelt sah man [702] dort das Licht einsamer Gehöfte. Deutlich konnte man das Rauschen der Etsch vernehmen, welche aus der engen Töllschlucht vom Vintschgauthale hinaus in das von Gott so reich gesegnete Burggrafenamt tobt.

„Jetzt und schau, Roserl, zu Jakobi thust fünfzehn werd’n, und jenen Leuten, denen, wie’s auf der Welt kummen, als Taufangebind Spott und Verachtung, wenn a ungerechterweis', ins Fatschenband gesteckt werd’n, denen schenkt der liebe Herrgott allwegs mehr Gescheutheit als andern Leutnen.

Und z’wegn dem bring i dir heut schon an Gruß von deiner Mutter.“

„Von meiner Mutter, an Gruß von der Mutter?“

„Fünfzehn Jahr sein’s her, daß man di g’fund’n hat vor der Thür beim Schwellenmüller, und der hat das arme Findlkind der G’mein übergeben und in der Lotterhütt[4] bist aufzog’n word’n, alt und jung, arm und reich hat g’meint, a Gott g’fälligs Werk thät’s sein, wenn ma ’s Findlkind verachtet, plagt und schindet!“

„Du bist der oanzige Mensch g’west,“ schluchzte das Rosele, „der mit mir gut g’west ist, der mi tröstet hat, der dem Kind was bracht und g’schenkt hat. Du bist der oanzige g’west, der mi in Schutz g’nummen hat, wenn mi de Leut da drunten auf alle Weg und Steg verfolgt haben!“ Vom Zorn übermannt sprang das Mädchen auf und schüttelte die geballten Fäuste gegen das Thal.

„Nit a sou, Rosele! Schau, geh nit a sou,“ sagte beschwichtigend der Alte und zog das erregte Mädchen an seiner Seite nieder.

„Schau, de Leut da drunt, rein nit besser verstehn thuan sie’s! Es werd ihnen ’s Evangeli: ‚Wer frei von Schuld ist, der heb’ den erst’n Stein auf,‘ viel zu wenig oft prediget. ’s ist halt a so viel a unbequems Evangeli, so viel a unbequems.

Und weil halt die fünfzehn ummer sein, so hab’ i mir denkt, schau, hab i mir denkt, jetztern bringst dem Rosele den erst’n Gruaß von der Mutter. Gelt, möchst halt gern wiss’n, wo ’s bleibt? Haben thut’s freili lei a kloanwinzigs Hütterl, a hölzenes, und in dem Gart’n, wo’s schlaft, da hab’ i zwei Nagelestöck pflanzt. An rot’n und an weiß'n.

Vorsichtig wickelte der Pfannenflicker eine rote und weiße Nelke aus einem Stück Papier.

„Schau, Roserl, ’s rote Nagele bedeutet die Lieb, mit der dein Mutter vom Himmel niederschaut auf di, du armes Hascherl. Glei, wie d’ auf d’ Welt kummen bist, ist dein Muater abg’reist im Himmel, um ihrm Kind zelm a Platzl herz’richt’n, weil ’s ja g’wußt hat, daß ma ihm daherunt kaans gunnt ’s weiße Nagerl soll dir sag’n bewahr’ dein Herzl in Unschuld, nachher kann dir koan Mensch auf der Welt Uebles anthuan. – Jetztern wär’s halt a um der Zeit, von deim Vater zu red’n.

Schau, Rosele, a Kind soll allewegs lei guats von seine Eltern denk’n, sei’s g’rad, wie’s imm’r mag. Und dös thuast halt a von dein Vater.“

Laut aufweinend barg das Mädchen das Gesicht in den Händen. „So steh’ i ganz alleinig und verlass’n auf die Welt da!“

„Verlass’n? Bist denn verlass’n? Schau auf zum Sternenhimm’l, wie dös funkelt und zwinkert! Dös sein purlauter Engelsäuglein und der liebe Herrgott im Himmel, der verläßt koan Mensch’n in Jammer und Not. Und nachher, wer wär’ denn i? Wie a Kind hab’ i mi g’freut auf den heutg’n Tag, wo i miar fürg’nommen hab’, dir der Mutter Gruß zu bringen.

I mei“ fuhr er fort und zog sanft die Hände vom Gesichte des Mädchens, „i mei, weißt, bist von an gar großen Stamm. I bin ja dein Ahndl.“[5] Da schlang das Roserl die Arme um den Hals des Alten und legte ihr Köpfchen an seine Brust.

Sanft zog der Pfannenflicker sein Enkelkind an sich und sang mit wiederkehrender Lustigkeit leise vor sich hin.

Sou a Pfannenflicker,
Ist halt nia a dicker,
Dürr und mager sein’s,
de ruaßig’n Leut’,
Haben guate Herz’n,
Können allwegs scherzn,
Sein die Leut’ jetzt dumm recht, oder g’scheut.
Der Kinig Salomon –
I bin nit irrig dron –
Ist a Pfannenflicker g’west bei Nacht –
Sunst hätt der arme Tropf
Mitsamt sein gscheut’n Kopf
A um dös Kinderurtl zammenbracht.[6]

  1. wasch.
  2. zuhören.
  3. Heikler.
  4. Lotter = Bettler: Armenhaus.
  5. Großvater.
  6. Altes tiroler Pfannenflickerlied.