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Titel: Das hygienische Schulkleid.
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aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 467
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[467] Das hygienische Schulkleid. Die englische Bewegung für Kleiderreform der Mädchen und Frauen, über welche wir vor einiger Zeit berichteten, steht nicht vereinzelt da, sondern macht sich schon seit einigen Jahren in Schweden und Norwegen fühlbar, wo die weibliche Thätigkeit in gelehrten und geschäftlichen Berufsarten, sowie die Gleichstellung beim Universitätsstudium längst durchgeführt ist. Ein Verein gebildeter Frauen in Stockholm und Christiania hat in Uebereinstimmung mit Aerzten und Professoren den Grundsatz aufgestellt, daß angesichts des heute auch an die Frau herantretenden Kampfes ums Dasein die Toilettenfrage nicht mehr ihr Denken ausfüllen darf, daß sie eine einfache, billige und vor allem praktische und hygienische Kleidung haben muß. Der schwedische Reformverein geht minder radikal vor als der englische; er läßt vorerst die äußere Hülle noch bestehen und wendet sich der Reform der Unterkleider zu, welche, den Bedürfnissen des nordischen Klimas entsprechend und in Rücksicht auf die vielfachen Sportübungen der dortigen Mädchen: Schlittschuhlaufen, Eissegeln, Fahren auf Schneeschuhen bei 20 Grad Kälte, warm und doch leicht sein sollen. Deshalb schlägt der Verein vor, die mehrfachen der freien Bewegung hinderlichen Unterröcke abzuschaffen und statt ihrer unter dem Blousenoberkleid mit fußfreiem Rock ein paar warme bequeme Beinkleider zu tragen. Ein locker sitzendes Leibchen als Ersatz des Korsetts, Schuhe mit niedrigen Absätzen vervollständigen das „hygienische Kleid“, in welchem sich ohne Zweifel Kinder und ganz junge Mädchen viel behaglicher befinden werden als in ihrer bisherigen, knapperen Tracht. Ob die Reformbestrebungen aber bei der großen Frauenschar Anklang finden, welche heute Modebazars und Putzläden füllt und immer das Neueste verlangt?

Das ist eine große Frage, welche wir im Hinblick auf die Geschichte der Moden und die Gesetze der Menschennatur nicht so unbedingt zu bejahen wagen, wie die feurigen Vorkämpferinnen der Reform.