Das Unglück, das große Loos zu gewinnen

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das Unglück, das große Loos zu gewinnen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 226
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[226] Das Unglück, das große Loos zu gewinnen. Ein solches Unglück, wird Mancher denken, wollte ich schon ertragen, aber es ist doch nicht so leicht, wie es aussieht. Ich habe einen Mann gekannt, der mir mit sehr trüber Miene gestand, der Gewinn des großen Looses habe ihn unglücklich gemacht. Er war früher Sattler in Liegnitz und mußte sich dabei ziemlich mühsam durchschlagen, allein seine stets heitere Laune machte ihm jede Entbehrung leicht, und er war froh, seine Familie redlich ernähren zu können. Da machte er einen ziemlich bedeutenden Lotteriegewinn. Er erweiterte sein Geschäft, alle Nahrungssorgen und kleinen Verlegenheiten verschwanden, und er fühlte sich ganz glücklich. Mehr aus Gewohnheit, als getrieben von dem Wunsche, noch mehr zu gewinnen, spielte er in der Lotterie fort und zwar ein ganzen Loos, und die Glücksgöttin ließ darauf nach einiger Zeit das große Loos fallen. Jetzt war der früher arme Sattler ein reicher Mann. Doch was in den Augen Anderer für ein ungeheures Glück galt, machte ihn unglücklich, denn auch freilich nur durch die thörichte Anwendung seines vielen Geldes. Er gab sein Geschäft auf, aber an Thätigkeit und Arbeit gewöhnt, plagte die Langeweile ihn fürchterlich. – Er wurde als Reicher von Vielen aufgesucht, die ihn früher nicht angesehen hatten; er ließ sich durch sie in Kreise locken, für die er nach seiner geistigen wie seiner geselligen Bildung nicht paßte; er lernte Genüsse und Bedürfnisse des Luxus kennen, die ihm früher fremd gewesen waren: er mußte Rücksichten aller Art nehmen, und bald war in einer fremden beengenden Umgebung seine frühere Heiterkeit verschwunden, und er sagte gar oft mit einem schmerzlichen Seufzer: „Wie glücklich wäre ich, hätte ich das große Loos nicht gewonnen!“