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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Carl Schurz
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aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 467
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[467] Carl Schurz. Der freundliche Empfang, welchen unser Reichskanzler dem hervorragenden nordamerikanischen Staatsmann zu theil werden ließ, beweist, wie, sehr sich die Zeiten geändert haben: gehört doch Karl Schurz zu denjenigen Revolutionären der bewegten Epoche von 1848 und 1849, deren Thaten damals wegen ihrer Kühnheit das größte Aufsehen machten. Geboren am 2. März 1829 in Liblar bei Köln, studirte er in Bonn, wo er mit Kinkel in näheren Verkehr trat, betheiligte sich im Frühjahr 1849 an der Erstürmung des Siegburger Zeughauses, kämpfte dann in Baden wie Kinkel gegen die Reichstruppen, wurde wie dieser gefangen genommen, entkam aber nach der Schweiz. Von hier aus begab er sich 1850 unter angenommenem Namen nach Berlin, wo es ihm gelang, die Flucht Kinkels aus Spandau ins Werk zu setzen. Dann begab er sich nach London, wo er sich verheirathete, und von hier aus nach Amerika.

Die Gartenlaube (1888) b 467.jpg

C. Schurz.
Originalzeichnung von C. W. Allers.

Damit war seine romanhafte Jugend in Europa abgeschlossen. Schurz hatte kaum das einundzwanzigste Lebensjahr hinter sich, als er bereits eine solche Fülle revolutionärer Erlebnisse in den Annalen seines Lebens verzeichnen konnte. In Amerika hat er als Staatsmann, Diplomat, General und Journalist in Berufskreisen, die in Europa scharf getrennt zu sein pflegen, eine hervorragende Rolle gespielt, stets im Dienste der Freiheit und der Humanität und zu Ehren des Deutschthums, dem er eine leitende Rolle in den großen politischen Bewegungen der Union gesichert.

Im Jahre 1855 finden wir Schurz in Watertown im Staate Wisconsin, wo er als Volksredner für die republikanische Partei mit glänzendem Erfolge wirkte. Im Jahre 1850 lebte er als Advokat in Milwaukee, 1861 begab er sich als Gesandter der Union nach Spanien. Der Bürgerkrieg rief ihn zurück; er wollte für das Sternenbanner gegen die sich lossagenden Staaten des Südens kämpfen. er stieg in rascher militärischer Laufbahn zum Majorgeneral, befehligte eine Division in der Schlacht bei Bull-Run und beteiligte sich an anderen Hauptschlachten des großen Krieges wie an denjenigen bei Gettysburg und Chattanooga.

Nach Beendigung des Krieges wurde der General zum Publicisten, gab 1866 die „Detroit-Post“ heraus, 1867 die „Westliche Post“ in Saint-Louis, wie er denn auch noch in den letzten Jahren, 1883, Redakteur der „Evening-Post“ („Abendpost“) in New-York und, 1885, der „Boston-Post“ in Boston war. In die Zwischenzeit fallen seine hohen Staatsstellungen in Amerika. Nachdem er 1869 vom Staate Missouri zum Bundessenator gewählt worden, wurde er 1877 unter Hayes Minister des Innern.

Ein vorzüglicher Volksredner und ebenso tüchtiger Parlamentarier, dabei mit der Feder schlagfertig wie mit dem Schwerte, ist Karl Schurz einer jener öffentlichen Charaktere, welche, in ihrer überaus vielseitigen Thätigkeit stets das eine Ziel verfolgend, das Wohl ihrer Adoptivheimath, sich in Amerika der höchsten Anerkennung erfreuen und auf welche wir Deutschen mit Recht stolz sein dürfen.