Beschreibung des Oberamts Münsingen/Kohlstetten

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31. Kohlstetten,

ein evang. Pfarrd. auf der Alp, an der neuen Straße von Reutlingen nach Münsingen, 31/2 St. von Münsingen, und fast eben so weit von Reutlingen, mit 221 (1823. 228) Einwohnern; C.A. Münsingen, F.A. Zwiefalten, R. Offenhausen.

Den großen Zehenten bezieht der Staat, der kleine Zehente steht der Pfarrey zu.

Gefälle beziehen aus 10 vorm. Erblehen und aus Zinsgütern

Geld Dinkel Haber
Der Staat 16 fl. 34 kr. 34 Sch. 4 Si. 35 Sch. 7 Si.
Die Pfarrey 10 kr.
Der Heilige 15 kr. 2 –  7  –  2 –  71/2
Gemeindepflege 35 kr.

Der Staat bezieht auch 6 Sch. 7 S. Vogthaber, und für Speisung 1 fl. 26 kr.

Kohlstetten liegt ziemlich hoch, doch von höhern Umgebungen geschützt, mitten auf der Wasserscheide, die hier bis gegen Offenhausen hin unentschieden bleibt, auf einem schmalen Erdrücken zwischen dem Echatz- und Lauterthal, und gehört unter diejenigen Orte, welche sehr an Wassermangel leiden.

Der Ort war früher durch Pferdezucht berühmt; s. S. 80. Ehemals genossen die Bürger ansehnliche Holzgaben, 6 bis 7 Meß, neuerlich sind diese bis auf 1 Meß herabgekommen.

In die Kirche ist Klein-Engstingen eingepfarrt, das ehemals Filial von Groß-Engstingen war. Den Kirchensatz hatte, nebst den von Gomadingen und Ohnastetten Graf Eberhard| im Bart i. J. 1496 dem Kloster Offenhausen geschenkt. Im Jahre 1161 kommt ein Graf Albert von Achalm vor, der sich Vogt oder Advocatus in Cholstetten nennt. S. Bernloch. – S. 45. 56. 72.

Die Gegend hat mehrere Erdfälle, einen im Dorfe selbst.


32. Laichingen,

ein evang. Marktfl. und Pfarrd., seitwärts von der Landstraße nach Ulm, 4 starke Stunden von Münsingen, und 21/2 St. von Blaubeuren, mit 1699 (1823. 1729) Einwohnern, C.A. und F.A. Blaubeuren, R. Nellingen.

Den Zehnten, den großen und Novalzehnten bezieht der Staat, von einem Theil der Äcker die Stiftungspflege, den kleinen und den Heuzehenten beziehen theils die 8 Maier, theils die Pfarrey, theils sind die Güter zehentfrey.

Gefälle beziehen:

Geld Dinkel Haber
Der Staat 104 fl. 10  kr. 146 Sch. 3 Si.  193 Sch. 7 Si. 3 V.
Pfarrey Hohenstatt 2 –  2 –   2 –  2 –  
Spital Wiesensteig 14  kr. 4 –  2 V. 4 –  2 V.
Der Ortsheilige 9 fl. 491/2 kr. 9 –  2 –  1 V. 9 –  2 –  1 – 
Der Heilige Machtolsheim 4  kr. 1 –  2 E. 1 –   2 E.
 zu Enabeuren 14  kr. 1 –  5 –   1 –  5 Si.  
____________________________________________
114 fl. 481/2 kr. 160 Sch. 1 Si. 3 V. 207 Sch. 6 Si. 2 V.

Der Staat bezieht ferner 1 S. 2 V. Erbsen, 4 fl. 20 kr. Gewerbszinse, und 2 fl. 8 kr. aus einer ehemaligen Badestube.

Laichingen ist der volkreichste Ort des ganzen Oberamts. Er liegt größtentheils eben, doch etwas vertieft. Die Häuser sind auch hier meist mit Stroh bedeckt. Die ansehnliche Kirche, worin sich ein schöner Altar befindet, ist mit einem befestigten Kirchhof umgeben, dessen hohe Ringmauer mit einem Umgang und mit Schießscharten versehen ist. Bey der Kirche steht das sogenannte Heiligenhaus, das wie die Kirche mit einem mit Kupfer bedecktem Thurm versehen ist. Neuerlich wurde das Haus zur Mädchenschule eingerichtet. Von frühern Zeiten ist auch noch ein Amtshaus vorhanden, das ehemals| ein Helfensteinisches Jagdhaus war. Es gibt zwar Brunnen in dem Orte, doch nicht hinreichend, um der Hülben ganz zu entbehren, und keine Röhrbrunnen. Die Einwohner sind still, einfach, bescheiden, arbeitsam und religiös. Daß es ehemals unter denselben auch Juden gegeben habe, beweisen die noch sogenannte Judenschule und eine Judengasse. Jetzt befindet sich keiner mehr im Orte. Die Nahrung besteht theils im Feldbau, theils im Gewerbe, das letztere ist die Hauptsache. Der Boden ist ziemlich gut, und kann mit 2 Zugthieren gebaut werden, während er sonst fast überall vier erfordert; das Feld ist auch gut gebaut; auch die Viehzucht ist in gutem Stande. s. S. 57. 60. 72. 74. 76. 81. 82.

Das Hauptgewerbe ist die Weberey; Laichingen ist der Hauptsitz derselben; der größte Theil der Bürger besteht in Webern, und Manns- und Weibsleute weben, die Mädchen so gut als die Knappen. Es wird den größern Theil des Jahrs auf 400 Stühlen gewoben, deren jährliches Erzeugniß man auf 400.000 Ellen annehmen darf. In der Regel wird nur glatte Leinwand gewoben, gemodeltes Tischzeug und sogenannte Zeuglein werden nur auf Bestellung gemacht. Laichingen steht in dem Rufe, daß es die beste und feinste Leinwand liefere; s. S. 84. 87. Außer der Weberey findet man in Laichingen auch viele andere, theils gewöhnliche, theils seltenere Gewerbe, und eine bedeutende Leinwandhandlung, auch eine Ziegelhütte, Hausbleiche u. s. w. S. Gewerbstabelle u. S. 85. 89. Der Ort hat auch 3 Vieh- und Krämermärkte.

Die Kirche, in welche vor der Reformation, wo aber neben der Pfarrey auch noch eine Caplaney bestand, auch Feldstetten, Sontheim, Suppingen eingepfarrt waren, hat an dem h. Alban einen sehr vermöglichen Heiligen, welchem alles Kirchen- und Schulbauwesen, der Bau des Pfarrhauses, die Besoldung der Schullehrer und die Erhaltung der Armen, welche jährlich über 1000 fl. von ihm empfangen, obliegt. Den Grund zu seinem Vermögen legte Graf Friedrich von Helfenstein, der i. J. 1095 1/5 des großen Zehnten zu Laichingen ihm zum Opfer brachte. Die Kirche selbst, mit ihrem| ansehnlichen Kirchensatze und den andern 4/5 des großen Zehnten war i. J. 1398 dem Kloster Blaubeuren incorporirt worden, das sie von seinem Stifter, dem Pfalzgrafen von Tübingen i. J. 1085 erhalten hatte. Dem heiligen Alban dankt Laichingen auch eine bessere Schulanstalt, als man sie in der Regel findet. Es besitzt 2, nach den Geschlechtern getrennte Schulen.

Die Gemeindeverwaltung ist in gutem Zustande, so daß von ihren Einkünften sonst noch ein Theil der Staatssteuer für die Bürger bestritten wurde; und an dem Fleiß und der eingeschränkten Lebensweise der Einwohner, an dem heiligen Alban, und an der wohlgeordneten Gemeindeverwaltung und ihren nicht unbedeutenden Einkünften hat sich der Wohlstand in Laichingen immer noch aufrecht erhalten, so daß der Ort zu den wohlhabendsten des Oberamts gehört. S. 65.

Laichingen bildete vormals ein eigenes Unteramt von Urach, s. o. Unter die Vorrechte von Laichingen gehörte, daß daselbst von dem Bezirke der Huldigungseid abgenommen wurde, was 1798 zum letzten Mal geschah. Im Jahr 1364 ertheilte K. Carl IV. den Grafen von Würtemberg auch die Erlaubniß, aus Laichingen eine gemauerte Stadt zu machen, und verlieh dieser alle Rechte und Freyheiten der Stadt Stuttgart; die Ausführung stieß sich aber an der Erbauung der Mauern; indeß war es Gewinn genug, daß die Gewerbsbetriebsamkeit dadurch begründet wurde, in einer Zeit, wo alle Gewerbe auf die Städte beschränkt waren.

Grundherr von Laichingen war ehemals zum größten Theil das Kloster Blaubeuren, die Vogtey besaß Würtemberg. Noch vorher aber findet man theils die Pfalzgrafen von Tübingen, Besitzer der Herrschaft Blaubeuren, theils die Grafen von Helfenstein mit L. verbunden. Jene stifteten 1085 nicht nur die Kirche zu dem Kloster Blaubeuren, sondern sie waren auch im Besitz der Vogtey; die Grafen von Helfenstein, Herrn der Herrschaft Wiesensteig und nach den Pfalzgrafen auch der Herrschaft Blaubeuren, sind es, welche, wie wir gesehen haben, nicht nur Güter zu Laichingen| zum h. Alban stifteten, sondern auch nachher noch mit Gütern und Rechten zu Laichingen erscheinen. Noch i. J. 1421 kaufte Friedrich von Helfenstein von Burkhard von Bach einen Hof zu L., der Freyhof genannt, dessen Besitz und Freyheiten, (er hatte das Asylrecht) den Grafen Georg und Ulrich i. J. 1549 von K. Carl V. bestätigt wurden, nachdem jedoch schon Graf Friedrich i. J. 1427 die Hälfte des Hofes an das Stift Wiesensteig verkauft hatte, das, vermuthlich daher, bis auf die neuern Zeiten auch Lehensgefälle zu L. bezogen hat. Die Grafen besaßen auch die Jagd zu Laichingen und in dem ganzen Umkreise, und noch unter Bayern und bis auf die neuesten Zeiten war dieselbe nebst Leibeigenschaftsgefällen mit der Herrschaft Wiesensteig verbunden; überdieß waren ehemals die Laichinger verbunden, für ihren Verkehr sich allein entweder der Wochenmärkte zu Wiesensteig, oder der zu Blaubeuren zu bedienen, und dieser Marktzwang war hauptsächlich Ursache, daß Würtemberg dem Ort Stadtgerechtigkeit verschaffte. Aus diesen Umständen geht hervor, daß, wie auch Höslin angenommen hat, L. und eben so Feldstetten und Sontheim anfänglich Pfalzgräflich, hernach Helfensteinisch waren; und noch besteht zu L. die Sage, daß der Ort einst Helfensteinisch gewesen sey, und daß auf Weichstetten ein Helfenst. Schloß gestanden habe. Theils durch die Freygebigkeit seiner Stifter und Herren der Pfalzgrafen und der Grafen von Helfenstein, theils durch andere Schenkungen und Erwerbungen – i. J. 1304 schenkte ein Schweller von Wielandstein ein Gut zu L. – wurde allmählig das Kloster Blaubeuren Grundherr zu L., so wie auch zu Feldstetten und Sontheim. Aber es kam nie in den Besitz der Vogtey, diese findet man schon frühe bey Würtemberg. Zwar verkaufte der Pfalzgraf Eberhard von Tübingen i. J. 1289 das Vogtgericht zu L. an das Kloster Bebenhausen, aber aus einer Blaubeurer Urkunde, welche auch im Fleckenlagerbuch von Laichingen eingetragen ist, vom Jahr 1373, erhellt, daß Würtemberg in diesem Jahre und schon früher im Besitz der Vogtey war.

| Die eigenen Güter des Klosters waren in einem Hofe vereinigt, worauf das Kloster seinen Maier (Major) Schaffner hatte. Nach der eben angeführten Urkunde hatte der Maier die Obliegenheit den Vogt zu beherbergen, das Heimführen und Dreschen der Zehentfrüchte zu besorgen, hatte aber dafür auch Antheil an dem kleinen Zehnten und die Hälfte des Zehentstrohs zu genießen. Mit der Zeit zerfiel der Hof in 8 eigenthümliche Bauernhöfe, wovon die Eigenthümer noch jetzt die Maierbauern genannt werden und Rechte und Obliegenheiten des alten Klostermaiers theilen.[1] – S. 9. 93.

Übrigens war ein Theil von L. immer frey, hatte sein eigenes Gericht und vor Alters auch sein Hochgericht. Es bestand als hier eine freye Gemeinde neben hörigen Leuten.[2]

| Weichstetten, dessen früher schon gedacht worden, ist der Namen eines hohen, aus Wald und Gütern bestehenden Markungsbezirks auf der nördlichen Grenze von Laichingen. Ehemals stand hier ein Schloß und Weiler der Grafen von Helfenstein; der Ort kommt schon in der Stiftungsurkunde des Klosters Wiesensteig vom Jahr 861, unter dem Namen Weistetti vor. Rudolph (von Helfenstein), der Stifter des Klosters schenkt diesem in der Urkunde unter Anderem Hohenstatt und den Bezirk, mit Ausnahme des Orts Weistetti. S. 7. Über die St. Straße etc. s. S. 13. 49. 50. 53.

Bey Laichingen findet sich auch eine Höhle, s. o. S. 38. Daß in Laichingen ehemals auch eine Badeanstalt war, erhellt aus dem Badestuben-Zins. Bemerkenswerth ist, daß auch hier die Sage von einem Fluß sich wiederholt; er soll seinen Lauf zwischen Laichingen, Suppingen, Machtolsheim und Berghülen an Treffenbuch vorbey gehabt haben.


33 Magolsheim,
ein paritätisches Pfarrd. auf freyer Alp, 11/2 St. von Münsingen östlich, mit 181 evang. und 295 kath. (zusammen| 1823. 482) Einwohnern; C.A. Münsingen, F.A. Blaubeuren, Sitz eines Revierförsters.

Der große Zehente gehört dem Staat, mit Ausnahme von 53 Morgen, wo ihn der kath. Pfarrer allein, und von 57 Morgen, wo er ihn getheilt mit dem Staate bezieht; 32 Morgen sind zehentfrey. Der kleine Zehnte, der Obst-, Heu- und Öhmdzehente, und der Novalzehente ist ebenfalls zwischen dem kath. Pfarrer und dem Staate getheilt, letzterer hat auch den Blutzehenten.

Gefälle beziehen, aus 31 vormaligen Erblehen, Zinsgütern; Schloßfrohn-Surrogatgelder etc.

Geld Dinkel Haber
Der Staat 200 fl. 41 kr. 93 Sch. 73/4 S. 110 Sch. 21/2 S.
Die ev. Pfarrey 5  –  
Der ev. Heilige 1 fl. 12 kr. 1   –  31/2 S. 1  –  31/2 S.
Der kath. Heilige 1 fl. 53 kr.
Der kath. Schullehrer 4   –   2  – 
Pfarrey Eglingen 1   –   1  –  1   –   1  – 

Magolsheim hat eine hohe Lage an und über dem Abhange eines Thaleinschnitts, mit freyer und weiter Aussicht bis auf die Schneeberge. S. 26. Ehemals stand hier ein stattliches Schloß, das von Herzog Carl abgebrochen wurde. Innerhalb der Schloßmauern, welche einen großen Garten einschließen, steht jetzt das im Jahr 1752 erbaute Försterhaus. Der Ort hat Quellwasser, das jedoch oft sehr nahe zusammengeht.

Die Kirche ist beyden Confessionen gemeinschaftlich; in derselben befindet sich das verstümmelte Grabmahl des letzten Herrn von Baldeck, der i. J. 1565 auf der Jagd durch einen Sturz mit dem Pferde in der Nähe ums Leben kam. Die Kirche hat bedeutende Stiftungen. Vor dem Orte steht auch noch eine Feldkapelle, worin die ledigen Leute beyderley Geschlechts Sonntag Nachmittags ihren Rosenkranz beten.

Beyde Confessionsverwandte unterscheiden sich, besonders die Weibsleute auffallend durch Kleidung, die lutherischen tragen schwarze, die katholischen blaue Strümpfe; bis 1821 waren auch die Eigenthumsberechtigungen streng abgesondert, es| gab lutherische und katholische Wiesen. Übrigens vertrugen sich die Einwohner immer friedlich mit einander. Über die natürlichen, die Nahrungs- und Culturverhältnisse, s. S. 50. 51. 72. 76. 80. 82. 85. u. ff.

Die Gemeinde hat zwey Schulen, nach den Confessionen geschieden. Die ev. Pfarrey, welche früher mit Enabeuren verbunden war, ist seit 1751 mit Böttingen vereint. Es werden alle Sonntagsgottesdienste in der Kirche gehalten. Einen eigenen evang. Pfarrer hatte der Ort nie.

Der Gemeindezustand zeichnet sich durch strenge Ordnung und gute Verwaltung aus. Die Ausgaben werden ohne Umlage aus Commun-Mitteln bestritten. Die Schafweide ist eine der bedeutendsten im Oberamte.[3]

In ältern Zeiten hatte der Ort seine eigenen Herrn, die Truchseßen von Magolsheim. Sie waren Truchseßen der Grafen von Urach und hießen häufig auch blos Truchseßen. Im Jahr 1353 kaufte Johann, Truchseß von Magolsheim, die Burg Bichishausen und seine Nachkommen nannten sich Truchseßen von Bichishausen. Nach den Truchseßen findet man theils die von Stadion, theils die von Baldeck im Besitze des Dorfes. Nach dem Magolsheimer Urbar vom Jahr 1572 kaufte kurz vorher Burkhard von Stadion Burg und Dorf Magolsheim von Eitel Hans von Pleningen zu Schaubeck, und Wolf Dieterich von Stadion kaufte i. J. 1592 die Hälfte des Baldeckischen Antheils oder 1/6 des Ganzen von Anna von Neuhausen, geb. v. Baldeck um 3600 fl. Die andere Hälfte war, nach Rebstock, nach dem Tode des oben erwähnten von Baldeck i. J. 1565 Würtemberg heimgefallen, und in diesem Theile nun auch die Reformation eingeführt worden. Würtemberg hatte jedoch schon i. J. 1396 Antheil an Magolsheim erlangt, da| Bertha von Seeburg ihre, von ihrem Bruder Hans von Seeburg ererbte Güter an Würtemberg verkaufte. S. Mehrstetten. Im Jahr 1660 heirathete der Hauptmann Walther de Heures die Barbara von Stadion und erhielt mit ihr das Schloß Magolsheim und 2/3 des Orts. Im Jahr 1743 wurden endlich auch diese zwey Drittheile von einem Baron de Heures für 22.936 fl. an Würtemberg verkauft.


34. Mehrstetten,

ein evang. Pfarrd. in hoher Lage, zwischen dem Heuthal und Schmichenthal, 11/2 St. südöstlich von Münsingen mit 639 (1823. 651) Einwohnern, C.A. Münsingen, F.A. Blaubeuren, R. Magolsheim.

Der Name des Orts findet sich in alten Urkunden und wahrscheinlich richtiger auch Marstetten, Märstetten geschrieben.[4]

Den großen Zehnten bezieht, mit Ausnahme von 52 Morgen zehentfreyen Äckern, der Staat; den kleinen Zehenten bezieht die Pfarrey, Antheil an dem Zehnten hatte sonst auch der Heilige zu Buttenhausen; i. J. 1823 aber wurde derselbe in eine Geldrente verwandelt.

Gefälle beziehen, aus 33 vorm. Erblehen und aus Zinsgütern etc.

Geld Dinkel Haber
Der Staat 47 fl. 50  kr. 52 Sch. 1 Si. 1 V. 52 Sch. 1 S. 1 V.
Der Ortsheilige 10 fl. 51  kr. 5   –  2 – 3   – 4 –  5 –  2  –
Ein Reutlinger 10   –  2   – 10 –  3 –  1  –
Spital Urach 191/2 kr. 1   –  6 – 1   – 1 –  6 –  3  –
Der Heilige in Granheim
    und Bichishausen
6 fl.  4  –   4  – 
 - Gundershofen 3 fl. 19 kr. 3  – 31/2 –  4  – 31/2
 - Enabeuren 5  – 2  – 
Die Gemeindepfl. 6 fl. 44 kr.

Der Staat bezieht auch von jedem Einwohner 2 V. 4 E. 3 F. Zollhaber.

| Die Baulast des Pfarrhauses theilt die Stiftungspflege mit dem Staate. - Mehrstetten gehört zu den ansehnlichsten und volkreichsten Orten des Oberamts. Die Einwohner werden sehr gelobt. Man vergleiche S. 51. 67. 69. 72. 75. 81. 84. 87. Der Gemeindehaushalt ist geordnet, und läßt baldige Schuldenbefreyung hoffen. S. 101. In die Kirche ist der Ort Sondernacht, Oberamts Ehingen, eingepfarrt. Der Ort hat ein gutes Schulhaus.

Der Besitz von Mehrstetten war in frühern Zeiten sehr getheilt, und häufigem Wechsel unterworfen. Hauptbesitzer waren immer Gundelfingen und Würtemberg. Die Obrigkeit hatte Würtemberg allein. Zur Herrschaft Hohengundelfingen gehörten 9 Falllehenhöfe und 2 Söldgütlein; sie wurden aber mit der Springenmühle zu Gundershofen und mit Gefällen daselbst und zu Sondernacht i. J. 1768 von Würtemberg gegen Güter und Rechte der Stiftungspflege Münsingen zu Dürrenstetten und 1609 fl. baar Geld von dem Baron von Landsee eingetauscht.

Ein Theil der Würt. Grundeigenthumsrechte rührt von Bertha von Seeburg her, von der Graf Eberhard i. J. 1396 Güter und Rechte daselbst gekauft hatte. 1562 kaufte auch Hz. Christoph Güter und Gefälle zu M. von dem Kloster Stein am Rhein. Zwey Höfe waren schon in ältern Zeiten Zugehör von Schiltzburg. S. Schiltzburg. Im J. 1484 (nicht 1382) übergibt Graf Eberhard der ältere dem Stift zu Dettingen den Zehnten von allen Neubrüchen zu Mehrstetten und Messingen, worüber die päpstliche Bestätigungsurkunde vom J. 1488 noch in dem Uracher Archiv zu finden ist.


35. Meidelstetten,

ein evang. Kirchd. auf der Alp, Filial von Bernloch 1/4 St. davon mit 258 (1823. 263) Einwohnern, C.A. Münsingen, F.A. Urach, R. Lichtenstein.

Den großen Zehnten bezieht das Cameralamt, zu 2/3,| die Pfarreyen Bernloch und Trochtelfingen zusammen 1/3, den kleinen Zehenten die Pfarrey Bernloch allein.

Gefälle haben

Geld Dinkel Haber
Der Staat 10 fl. 34 kr. 12 Sch. 61/2 Si. 13 Sch. 11/2 S.
Pf. Bernloch 1 fl. 59 kr. 4       – 4     –  
Pf. Trochtelfingen 1 fl. 43 kr. 2    –   2 Sch. 
Caplaney das. 1 fl. 20 kr.
Hohenz. Hechingen 1 fl.   2 kr. 2  –  71/2   – 2  –     71/2   –
Ortsheilige 20 kr.
Heil. in Trochtelfingen 40 kr.
–    in Oberstetten 23 kr.
Ortsgemeinde 3   –   3  –   1   –  

Der Ort liegt am südwestlichen Ende der Ebene von Bernloch, unter dem Schutz naher Berge, worunter auch Obstbäume gut fortkommen. Er hat seine eigene Kirche und Schule, in der Kirche werden alle kirchliche Handlungen, und neuerlich kraft einer Privatübereinkunft mit dem Pfarrer alle Sonntage (früher geschah es nur alle 14 Tage) Gottesdienst gehalten. Vor Alters war Meidelstetten nach Trochtelfingen eingepfarrt, woher auch noch die Gefälle der Pfarrey daselbst in Meidelstetten rühren, und die Meidelstetter noch das Eigenthumsrecht zu einem Kirchhof in Trochtelfingen besitzen.

Nicht nur die vormalige Herrschaft Groß-Engstingen, sondern auch die Klöster Zwiefalten und Offenhausen hatten Güter und Rechte zu Meidelstetten. S. Bernloch. Noch i. J. 1511 verkauft Hans Maurer zu Urach dem Frauen-Convent zu Offenhausen Hof und Güter zu Meidelstetten.


36. Münsdorf mit Derneck und Weiler
a. Münsdorf,

ein katholischer Weiler, auf der Alp, 31/2 St. von Münsingen, 21/2 St. von Zwiefalten, mit 108 Einwohnern, Filial von Hayingen, C.A. und F.A. Zwiefalten, R. Huldstetten.

Der Name des Orts wird in ältern Schriften auch Monsdorf, Montsdorf, Muntsdorf etc. geschrieben gefunden, und ohne Zweifel kommt er wie Monsberg von| dem lateinischen Wort Mons her. Münzdorf ist eine neuerlich erst aufgekommene Schreibart.

Grundherr ist der Fürst von Fürstenberg, Zehentherr eben derselbe, einen Theil des großen, und ein Geld-Surrogat für den kleinen Zehenten bezieht die Pfarrey Hayingen.

Gefälle beziehen

Geld Dinkel Haber
Der Grundherr 46 fl. 30 kr. 63 Sch. 5 S. 73 Sch. 3 S.
Der Ortsheilige 1 fl. 30 kr. 4 –  4 – 
Die Gemeindepflege 1 fl. 58 kr.

Dem Grundherrn gehören auch sämmtl. Waldungen der Markung und die Fischerey innerhalb derselben in der Lauter. Die hohe Jagd hatte immer Würtemberg. Der Ort bildet einen Bestandtheil der Herrschaft Gundelfingen. S. Hayingen.

Der Gemeindezustand ist nicht der beste, wie aus der auffallend großen, hauptsächlich von dem frühern Verband mit der Landschaft Gundelfingen, und von mangelhafter Verwaltung herrührenden, Schuldenmasse erhellt. S. 101.

b. Derneck,

ein Schloß des F. v. Fürstenberg mit einem kleinen Gute, das in der Eigenschaft als Falllehen verliehen ist.

Das Schloß liegt auf einem wilden Felsen über dem rechten Ufer der Lauter, ist aber zerfallen. Ehemals hieß es Degeneck und war lange ein Sitz eines Zweiges der Familie Gundelfingen und später auch der von Landsee, von welchen es 1765 an Fürstenberg kam. Fürstenberg war jedoch schon früher im Besitz gewesen, und wahrscheinlich mit der Herrschaft Gundelfingen dazu gelangt; verkaufte es aber i. J. 1647 an 2 Fräulein von Spät, von welchen es durch verschiedene Hände an die von Landsee, und endlich von diesen, mittelst des vorbehaltenen Losungsrecht i. J. 1765 für 9000 fl. wieder an Fürstenberg kam.

In dem Schlosse Derneck geschah am 29. Oct. 1686 die noch jetzt im Volk unvergessene Gräuelthat der Ermordung| einer Frau und dreyer unmündigen Kinder. Der Thäter blieb unentdeckt.

An einer Bergwand bey Derneck befindet sich die Bettelmannshöhle. S. 36.


c. Weiler,

ein kath. Weiler im Lauterthal, an dem rechten Ufer der Lauter, eine kleine halbe Stunde unterhalb Gundelfingen, mit 42 Einwohnern, kirchliche und Amtsverhältnisse wie bey Münsdorf.

Die Grundherrschaft ist getheilt zwischen dem Baron von Reichlin-Meldegg und dem Fürsten von Fürstenberg; beyde haben auch abwechselnd die Verleihung einer geistlichen Pfründe.

Den Zehenten bezieht in seinem Theil der Baron von Reichlin, in dem Fürstenbergischen die Pfarrey Hayingen, und zu 1/4 ein Fürstenbergischrer Lehensbauer; für den Heu- und Öhmdzehenten erhält die Pfarrey Hayingen einen Zins.

Gefälle beziehen

Fürstenberg (Frohngelder) 6 fl.  
v. Reichlin 46 fl. 21 kr.     Dinkel 3 Sch. Haber 3 Sch.
Pf. Hayingen 8 fl. 4 kr. – 10 Sch. 61/2 S. – 10 Sch. 2 Si. 2 V.
Der Ortsheilige 7 fl. 48 kr.

und der Heilige in Bichishausen 1 Si. Haber.

Der Freyherr von Reichlin bezieht überdieß noch Theigebühren, im Durchschnitt von einem Werth von 95 fl. Die hohe Jagd hat schon lange Zeit Würtemberg, die niedere Fürstenberg. Das Fischwasser in der Lauter gehört ebenfalls Fürstenberg. Vormals besaßen die beyden Grundherrn die hohe und niedere Gerichtsbarkeit gemeinschaftlich; das Besteurungsrecht aber stand bey Fürstenberg, jedoch nur, wie es scheint in dessen Antheil, der Reichlinsche Theil steuerte mit Niedergundelfingen zu dem Ritter Canton Donau. Bey dem Orte steht ein, in das Thal vorspringender, Bergkopf, von dem Einwohnern Kapfle auch Burgstall genannt. Auf demselben stand die Burg Weiler, wovon man noch| Überreste bemerkt und der Ort Weiler auch Burgstall-Weiler genannt wird.

Das kleine, in dem hier äußerst malerischen Thale still und friedlich gelegene Örtchen besteht nur in wenigen Gebäuden. Es hat eine kleine Capelle zum h. Othmar mit einem nicht unbedeutenden Fond, worin jährlich 6 Messen gelesen werden.

Bey der großen Schenkung der Grafen Chadaloch und Wago an das Kloster St. Gallen i. J. 805 übergeben dieselben auch ihre Erbgüter in Villare, Weiler. Neugart Cod. Dipl. Nr. 155. S. 6. und 32.


37. Oberstetten mit Maßhaldersbuch.
a. Oberstetten,

ein kath. vormals Zwiefaltisches Pfarrd. auf hoher Alp, 4 St. südwestlich von Münsingen, mit 485 (1823. 473) Einwohnern, C.A. und F.A. Zwiefalten, R. Pfronstetten.

Das Patronat hat Fürstenberg, dermalen aber Würtemberg s. u.

Den großen Zehenten hat zum Theil Fürstenberg, zum Theil die Pfarrey, i. J. 1772 aber hat Fürstenberg seinen Zehenten nebst dem Patronat pfandweise auf 60 Jahre für 60.000 fl. in der Art an das Kloster Zwiefalten überlassen, daß 30.000 fl. mit 4 Proc. verzinst werden, und für die Zinsen von den andern 30.000 fl. die Nutznießung des Zehenten überlassen ist. In die Rechte des Klosters ist jetzt der Staat eingetreten, den kleinen, den Heu-, Öhmd- und Blutzehnten bezieht die Pfarrey.

Gefälle beziehen, aus 19 Fallehen und aus Zinsgütern

Geld Dinkel Haber
Der Staat 62 fl. 41 kr. 93 Sch. 7 S. 2 V. 80 Sch. 71/4 S.
Ortsheilige 8 fl. 26 kr. 6  –   1 – 2  9   8 
Pfarrey 4 fl. 38 kr. 8   8  
Pfr. Bernloch 2   2  
– Trochtelfingen 1 fl. 56 kr. 5   5  
– Caplaney 2  –   2 –  2 
| Außerdem bezieht der Staat 2 Schl. 1 Si. 2 Vierl. Vogt- und Leuthaber.

Oberstetten liegt sehr hoch und weithin sichtbar; S. 45. die Markung ist sehr groß, das Feld mittelmäßig, der Anbau gering, dagegen zeichnet sich der Viehstand, wenigstens in der Zahl aus. S. Tabelle III. und S. 82. Der Ort wird häufig von Wetterschlag betroffen, (s. S. 50.) und hatte in der letzten Zeit 9 Jahre hintereinander nicht eine einzige gute Ernte, die Einwohner sind deßwegen auch arm. Im Jahr 1613 brannte Oberstetten ab.

Vormals gehörte Oberstetten den Kaiben von Hohenstein, deren Schloß in der Nähe lag. Im Jahr 1438 verkaufte Georg Kayb von Hohenstein, Vogt auf dem Bussen, die Dörfer Oberstetten und Ödenwaldstetten nebst dem Hof Maßhaldersbuch an Albrecht Spät von Schiltzburg. Im Jahr 1495 verkaufen die Gebrüder Reinhard, Georg und Hans die Späten diese Besitzung nebst Aichelau an Caspar von Bubenhofen um 9520 fl. und dieser verkauft das Ganze i. J. 1497 an das Kloster Zwiefalten um 9350 fl.[5] nachdem jedoch das Kloster schon früher einzelne Güter erworben hatte. Die Kayben von Hohenstein sollen die Stifter der Kirche gewesen seyn, wenigstens wird für sie als solche noch in der Kirche gebetet und einer von den beyden ausgetretenen Grabsteinen in der Kirche soll der des Stifters seyn. In frühern Zeiten besaß das Haus Hohenzollern die Hälfte an dem Kirchensatz, und Zehnten, es verkaufte aber dieselbe i. J. 1404 an Eberhard von Werdenberg (Herrn zu Trochtelfingen) und von Werdenberg kam der Besitz an Fürstenberg. – S. 57.

Eine Viertelstunde von Oberstetten, gegen Bernloch, ragen auf einem Waldkopfe noch die Ruinen von Hohenstein mit einem ansehnlichen Thurm hervor, wo die sehr begüterte Herrn von Hohenstein ihren Sitz hatten. S. Tigerfeld. Weiterhin gegen Ödenwaldstetten findet man die Überreste einer Burg, Ödenburg genannt.

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b. Maßhaldersbuch,

ein Hof des Grafen von Normann Ehrenfels an der Zwiefalter-Straße, 1 St. östlich von Oberstetten. Der Hof bildet eine eigene Markung, die ansehnlichen Gebäude wurden von dem Abt Michael zu Zwiefalten i. J. 1616 aufgeführt. Wie der Hof an Zwiefalten, und von da an seinen jetzigen Besitzer gekommen, ist bey Oberstetten und Ehrenfels zu sehen. Bey dem Hofe steht eine merkwürdige Capelle, welche einst im Weidenthal gestanden hatte. Sie wurde dort i. J. 1224 zu Ehren des heil. Moriz erbaut, und war bis zu Anfang des 16. Jahrhunderts als Wallfahrtsort sehr besucht. Dem Patron zu Ehren wurden bey diesen Besuchen von den jungen Leuten Spiele und Wettkämpfe angestellt, damit, nach der frommen Bemerkung des klösterlichen Chronikschreibers, der Teufel auch seine Capelle hatte. Im Jahr 1508 wurde die Capelle zerstört, und 100 Jahre später von dem Abt Michael auf ihrem gegenwärtigen Platze wieder aufgebaut. Sie hatte einen eigenen Meßpriester, in der Folge wurde sie von dem Pfarrer in Ehestetten versehen, seit langer Zeit aber wird sie gar nicht mehr gebraucht.

Den großen Zehnten und den Heuzehenten hat die Pfarrey Oberstetten mit Ausnahme des Bezirks Weidenthal, wo ihn mit ihr bisher der Baron von Spät-Marchthal als Gutsherr von Ehestetten gemeinschaftlich hatte. Das vormalige Kloster Zwiefalten hat sich aber mit der Pfarrey durch einen Vertrag v. J. 1705 dahin verglichen, daß ihr dafür jährlich 4 Eimer Wein, 22 Sch. 23/4 V. Dinkel und ebensoviel Haber gereicht werden, welche nun von dem Gutsherrn übernommen sind, der dafür den Zehnten genießt. Zu dem Gute gehören auch noch kleine Zehentantheile zu Oberstetten, Wilsingen, Aichelau und Pfronstetten. Auch waren vormals mehrere benachbarte Orte dahin frohnpflichtig; da aber diese durch eine K. Verordnung davon befreyt worden sind, so mußte nachher der Gutsherr dafür entschädigt werden, und die Cameralverwaltung hat jetzt demselben jährlich 246 fl. 3 kr. als Surrogat zu reichen. Zu dem Gute gehört eine Ziegelhütte.

| Weidenthal ist der Name eines trockenen flachen Thals, s. o., war aber auch der Name eines nun verschwundenen Orts, der darin lag. Im Jahr 1320 übergibt Swigger von Blankenstein den Ort an Würtemberg. S. Tapfen. Auf der Höhe gegen Ödenwaldstetten liegt das Roßhäuptlein. S. S. 21.


38. Ober-Wilzingen,

ein kath. vormals Zwiefaltisches Dorf, auf einer Abstufung der Alp 5/4 St. von Zwiefalten, 5 von Münsingen, mit 107 Einwohnern, Filial von Hayingen, C.A. und F.A. und R. Zwiefalten.

Antheil an dem Ort haben von Stein-Harthausen durch ein Lehengut, und der Gr. v. Reutner durch ein Söldgut.

Den großen Zehenten bezieht der Staat, mit Ausnahme des Bezirks Fainhausen, wo er Fürstenberg gehört und dem Pfarrer zu Hayingen überlassen ist. Der kleine Zehnte ist zwischen den Pfarrern zu Emeringen und Hayingen und dem Innhaber des Heiligengütchens zu O. W. getheilt.

Gefälle beziehen

Der Staat, aus 2 Falllehen, aus Zinsgütern, und an Frohngeldern
Geld Dinkel Haber Hanfsaamen
50 fl. 30 kr. 49 Sch. 4 S. 1 V. 59 Sch. 4 S. 21/2 V. 1 Si. 3 V. 6 E.
der Freyherr von Stein auf Harthausen, aus einem Lehengut
6 fl. 12 kr. 18 Sch. 4 S. 2 V. 18 Sch. 4 S. 2  V. 1 Sch. 
Der Graf v. Reutner, aus einem Söldgut
4 fl. 51 kr. 2 Sch. 4 S.   2 Sch. 4 S.  
Der Ortsheilige
1 fl. 56 kr. 2 Sch. 2 S.  2 Sch. 2 S. 
Der Heilige in Erbstetten
1 fl. 40 kr.

In dem Orte steht ein herrschaftliches Jägerhaus, das jetzt von einem Waldschützen bewohnt wird, auch eine Capelle zu St. Jakob, worin aber jährlich nur 2 Messen gelesen werden. Die Bevölkerung hat in den letzten 10 Jahren um 11 Menschen abgenommen, uneheliche Geburten kommen gar keine vor. S. o. S. 57.

| Das Örtchen hat ein sehr hohes Alter. S. Erbstetten und S. 6. Schon in frühen Zeiten hatte Zwiefalten Güter und Rechte zu O. W.; i. J. 1291 vermachte ihm auch Graf Eberhard von Warstein alle seine Güter daselbst, und i. J. 1542 überließ ihm auch Schweikhardt von Gundelfingen, gegen eine jährliche Fruchtlieferung nach Hayingen, seinen vierten Theil an dem Zehnten. Die Hauptbesitzer und Herrn von O. W. aber waren die von Stein, welche i. J. 1379 mit Monsberg noch den Antheil der Grafen von Aichelberg kauften. S. Monsberg. Allein auch sie wurden von dem Kloster ausgekauft, bis auf einen Hof, welchen sie als Reichenauisches Lehen behielten, und jetzt noch als Würt. Lehen besitzen. Conrad von Stein zu Monsberg verkaufte i. J. 1405 seine 3 Höfe zu O. W. und die Vogtey über diese und andere 3 Höfe daselbst an das Kloster, und wieder in demselben Jahre und 1411 vier Höfe.

Fainhausen, dessen oben als einer Bezirksbenennung gedacht worden, ist der Name eines verschwundenen Weilers, der dort lag und häufig in ältern Documenten vorkommt. Im J. 1306 stellte Conrad von Gundelfingen einen Vogt- und Schirms-Revers über die Leute zu Hayingen, Fainhausen und Sunderbuch aus. S. auch Wartstein.


39. Ödenwaldstetten,

in ältern Schriften häufig auch Edenwaldstetten geschrieben, ein Pfarrd. auf ebener Alp, 3 St. südwestlich von Münsingen, mit 221 (1823. 224) Einwohnern, C.A. Münsingen, F.A. Zwiefalten, R. Pfronstetten.

Zehnten – den großen hat der Staat, den kleinen theils auch der Staat, theils die Pfarrey, den Heuzehenten die Pfarrey allein.

Gefälle beziehen, aus 33 vorm. Erblehen etc.

Geld Dinkel Haber
Der Staat 179 fl.   46 Sch.  56 Sch. 
Der Ortsheilige 1 fl. 4 kr.
Gr. v. Normann 1 Sch. 27/8 S. 1 Sch. 27/8 S.
Der Heilige zu Magolsheim 32 kr.
| Der Ort liegt an der vormaligen Poststraße nach Zwiefalten und war, so lange diese bestand, 1807 bis 1810, Post-Station. Das Pfarrhaus wurde i. J. 1781 neu gebaut, die Landwirthschaft ist in gutem Zustand; die Einwohner zeichnen sich durch Fleiß und Sparsamkeit aus, die Gemeindeverwaltung ist ausgezeichnet geordnet.

Ödenwaldstetten war bis 1750 Zwiefaltisch. Das Patronat war von alten Zeiten her Würtembergisch. Dieses und gewisse Lehensverhältnisse waren Schuld, daß, zu großem Verdruß für Zwiefalten, von Würtemberg auch die Reformation eingeführt wurde. In frühern Zeiten gehörte der Ort den Kayben von Hohenstein, und ehemals soll er auch nach Oberstetten eingepfarrt gewesen seyn, wenigstens waren es bis 1473 einige Höfe. Von den Hohenstein kam der Ort an die Spät, die Bubenhofen, und von letztern 1497 durch Kauf an das Kloster Zw. S. Oberstetten und Tapfen. An die Spät wurden übrigens auch von Graf Ludwig von Würtemberg i. J. 1448 zwey Theile von Ödenwaldstetten um 550 fl. verkauft. Auf welche Weise Würtemberg zu demselben und später in den vollen Besitz des Orts gekommen, ist bey Tapfen und Zwiefalten zu finden.


40. Sontheim,

in Urkunden häufiger Suntheim geschrieben, ein evang. Pfarrd. auf der Alp, 31/2 St. östlich von Münsingen, 21/2 St. von Blaubeuren, mit 441 (1823. 447) Einwohnern; C.A.   F.A. und R. Blaubeuren.

Zehenten, der große und der Novalzehnte gehören dem Staat, der kleine größtentheils der Pfarrey, welche auch Antheil an dem Mischlingzehnten hat. Die Wiesen sind zehentfrey. Auf gewissen Äckern haben die Maierbauern die Hälfte des kleinen Zehnten, auch kommt denselben, wie denen zu Laichingen, das Zehentstroh zu, wofür sie aber die Zehentscheuer zu bauen und zu unterhalten und das Faselvieh zu halten haben.

| Gefälle beziehen
Geld Dinkel Haber
Der Staat 43 fl.   78 Sch. 7 S. 11/2 V. 74 Sch. 7 Si. 2 V.
Die Stiftungs-Pflege
des Orts
3 fl. 56 kr. 11 Sch. 6 S. 1  V. 11 Sch. 6 Si. 1 V.
- zu Enabeuren 4 kr.
- zu Feldstetten 3 kr.

Das Pfarrhaus wird von der Stiftungspflege des Orts gebaut.

Der Ort liegt hoch und frey auf einem Hügel; S. 45. Die Bevölkerung nimmt stark zu. S. 57. Das Feld ist rauh, aber die Lage besser als anderwärts. S. S. 49. 57. Die Landwirthschaft steht noch auf einer niedrigen Stufe. Die Gemeindeverwaltung leidet an starken Steuer-Rückständen, ist übrigens dermalen geordnet. S. 101.

Auf der Markung befindet sich ein Mergelbruch, der einiger Maßen zum Feldbau benutzt wird. S. 52. Die Gegend hat viele Erdfälle, besonders in der Au, selbst im Dorfe sind zwey. Auf der Markung liegt auch das merkwürdige Sontheimer Erdloch; s. S. 29 u. ff.

Sontheim soll vormals den Pfalzgrafen von Tübingen gehört haben, hernach Helfensteinisch, und endlich Würtembergisch geworden seyn; hätte also ungefähr gleiche Geschichte mit Laichingen. Wie dort war das Kloster Blaubeuren auch hier Grundherr und hatte seinen Maier da, dessen Gut nachher in mehrere Theile getheilt wurde, s. Laichingen. Schon bey seiner Stiftung hatte das Kloster mit der Kirche zu Laichingen, womit Sontheim verbunden war, Güter und Rechte in diesem Orte erlangt. Im Jahr 1349 verkaufte auch Berchtold von Gundelfingen Güter zu S. an das Kloster Blaubeuren. Auch das Kloster Zwiefalten war bis 1749 an Sontheim betheiligt, und aus der, bey gewissen Huben vorkommenden Benennung Boller Zehnten, muß man vermuthen, daß auch das ehemalige Stift Boll hier betheiligt gewesen sey.

Die häufig vorkommenden Herrn von Sontheim scheinen von Sontheim an der Brenz gewesen zu seyn. Übrigens befinden| sich auch bey unserm Sontheim, südlich vom Dorfe, auf einem besonders vermarkten Bezirke, Hohenrain genannt, noch Überreste, welche von einem Schlosse zeugen, und der Sage nach auch von einem herrühren. S. 68. 69. 86.



  1. In Beziehung auf die vogteylichen Verhältnisse heißt es in der angeführten Urkunde: Es gaut (geht) minem Herrn von Würtemberg ußer (aus) jeder Hub besunder dryzehn Schilling Halischer Heller und 2 jme Fäßen zu vogtrecht vor allen Dingen; es spricht och (auch) der Mertheil (der über das Herkommen vernommenen Zeugen) wann ein Vogt der ir Vogt ist käme oder ritt und gen Laichingen käm, der soll dahin ritten selbzehend, (den eilften mußte das Dorf bewirthen) und soll ritten in den maierhof, und soll der mayer im und den synen geben muß und Brott und Höw, und ain Roß ain Fiertail Haber, und soll der vogt da lygen, ob er will, ain tag und ein nacht, will er aber länger da lygen, das soll das Dorff schaden han, und ob der vogt, so er ain tag und ain nacht by dem mayer blibt, nun ritte für das Dorff, und wieder hinkäm, so soll in aber der mayer haben.
  2. Die Geschichte von L. bietet manche merkwürdige Seite für die allgemeine deutsche Staatsgeschichte dar. Man findet hier ursprünglich eine Gemeinheit freyer Leute; nach der alten deutschen Verfassung stand dieselbe unter der Gerichtsbarkeit eines Gaugrafen; sehr wahrscheinlich war L. selbst Hauptort eines Gaues (vielleicht des Fleingaus) oder wenigstens, wie Münsingen und Hayingen, eines untergeordneten Amtsbezirks. Das Gaugrafenamt bekleideten vermuthlich die Pfalzgr. von Tübingen; diese besaßen zugleich Allodialgüter in dem Orte mit Hintersassen. Sie vergaben diese an das von ihnen gestiftete Kloster Blaubeuren, sie vergaben aber damit nicht auch die Gerichtsbarkeit, diese bleibt als Ausfluß der Gaugrafschaft in ihrem Besitze und mit ihr der Ort als villa publica in ihrer Gewalt. Später wird diese Gewalt erblich, wird von den Pfalzgrafen verkauft, kommt wahrscheinlich an deren Nachfolger in der Herrschaft Blaubeuren, die Grafen v. Helfenstein und endlich an Würtemberg. Die Zahl der unfreyen Leute und Güter aber nimmt unter dem Drange der Umstände zu – noch ist es Volkssage in L., wie einst eine solche Noth gewesen sey, daß die Leute in die Klöster und Stifter gegangen seyen und um ihr Leben zu fristen, sich und ihre Güter denselben zu eigen gemacht haben – und so breitete sich das Kloster Blaubeuren immer mehr aus. Die Grafen von Würtemberg hingegen, die Freyheit stets fördernd, lösten, wie schon S. 9 und 10 gezeigt worden, die Fesseln wieder einiger Maßen, und das Falllehenwesen hörte wieder auf. Vergl. Eichhorns deutsche Staats- und Rechtsgeschichte Bd. I. §. 193.
  3. Eine ausgezeichnete Eigenheit dieses Orts ist, daß beynahe die Hälfte der Bürger keinen directen Antheil am Commun-Nutzen hat (s. g. leere Bürger).
  4. Die Verwandlung des a in ä, oder die Aussprache des a wie ein scharfes e war ehemals gewöhnlich. So: Hadwig, Hedwig, Rams, Rems, Achaz, Echez.
  5. Sulger II. 14. und I. 111.
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