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Berichtigung der im dritten Theile der zu Weissenburg im Nordgau herausgegebenen geographischen Schriften, im Artikel Bamberg, aufgenommenen Fehler und Irrthümer

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Autor: Anonym
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Titel: Berichtigung der im dritten Theile der zu Weissenburg im Nordgau herausgegebenen geographischen Schriften, im Artikel Bamberg, aufgenommenen Fehler und Irrthümer
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 1, S. 167-188
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1790
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
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III.
Berichtigung der im dritten Theile der zu Weissenburg im Nordgau herausgegebenen geographischen Schriften, im Artikel Bamberg, aufgenommenen Fehler und Irrthümer.
Da es von jeher so üblich gewesen, daß Erde- und Länderbeschreiber einander ausgeschrieben haben, so war nichts natürlicher,| als daß auch einer dem andern seine Fehler abborgte, und weiter verbreitete. Diesem Übel ist nicht sicherer abzuhelfen, als wenn sich Sachkundige ihres Vaterlandes erbarmen, und für künftige Geographen und Topographen zuverlässigere Nachrichten liefern, als gemeiniglich diejenigen sind, die man von vielen Reisebeschreibern erhält. Ich will mein Scherflein dazu beytragen; und gegenwärtiges Journal von und für Franken sehe ich für den rechten Ort an, wo nach und nach der ganze Fränkische Kreis in sein wahres Licht gestellet werden kann.
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S. 18. §. 3. wird gesagt: „Man finde auch bey der Hauptstadt Bamberg viele Lorbeer- Feigen- Zitronen- und Pomeranzenbäume, so, daß man diese Gegend zu einem kleinen Italien vergleichen könne.“ Ein auswärtiger Leser wird hier gewaltig irre geführt; denn wenn er dieses liest, so muß er glauben, daß besagte Bäume hier eben so, wie das Süßholz, wovon unmittelbar vorher die Rede ist, unter freyem Himmel gedeihen. Der Verf. hätte mir den Artikel Bamberg in Georg Paul Hönns lexicon topographicum des fränkischen Craises etc. welches freylich auch seine Fehler und Lücken| hat, nachschlagen dürfen, so hätte er S. 5. N. VII. gefunden, daß man diese Orangebäume in der Stadt selbst, und zwar in dem fürstlichen Garten zum Geyerswehr genannt, ehemals habe suchen müssen, worüber gegen die Winterzeit ein großes hölzernes Gebäude, das inwendig mit vielen Öfen versehen war, errichtet, und im Frühling wieder weggenommen wurde. Ich selbst bin vor mehr als 30 Jahren unter diesem Italiänischen Lustwäldchen, das ein Fremder im Sommer, ohne von den Winteranstalten etwas zu wissen, wie ein Feenschloß anstaunen mußte, mit innigem Vergnügen gar oft herum gewandelt. Allein diese Bambergische Seltenheit ist seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Ein Sturmwind im Winter hat das Gebäude eingestürzt, und die wälschen Gäste, die mehr als einem Jahrhundert getrotzt hatten, vom Teutschen Boden vertilget. Man findet dergleichen Gewächse hier, wie anderswo überall in Deutschland, nur noch in Glashäusern und bemahlten Kübeln.
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„Landstände, vermuthet der Verf. §. 5. möchten in vorigen Zeiten vorhanden gewesen| seyn, und an der Regierung Theil genommen haben.“ Allerdings waren Landstände vorhanden, und darunter waren die drey Prälaten zu Michelsberg, Banz und Langheim die ersten und vornehmsten: ihre Deputirten zu den Landtagen schickten auch der Adel, der weltliche Klerus, und die Magistrate der Hauptstadt sowohl als der Municipalstädte. Der Landtag, welchen Fürst-Bischoff Johann Georg, der Hexenbrenner, einige Jahre vor dem Schweden Kriege nach Bamberg ausschrieb, um die unter seinem Vorfahrer bewilligte Steuer auf andere 12 Jahre auszudehnen, mag der letzte dieser Art gewesen seyn: denn Bischoff Peter Philipp glaubte, als Landesherr sich an diese Einwilligung nicht binden zu müssen. Endlich wurde diese Irrung so vermittelt, daß bey dem fürstlichen Dikasterium, die Obereinnahme genannt, von welchem die Contributionen ausgeschrieben, und wohin sie eingeliefert werden, von jeglichem Stande ein Deputirter als beständiger Beysitzer sollte zugelassen werden, welches noch jetzt so gehalten wird. Übrigens kann der Fürst-Bischoff, ohne Bewilligung des Domcapitels, die Unterthanen mit keiner neuen Auflage beschweren.
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| §. 12. S. 40. wird gesagt, über den Fluß Rednitz (soll heißen Regnitz) gingen in der Stadt drey hübsche, mit Statuen besetzte steinerne Brücken; und doch schreibt der Verf. S. 43. selbst, daß durch die ausserordentliche Überschwemmung im J. 1784 zwey schöne steinerne Brücken gänzlich zu Grunde gegangen seyen. Bamberg hat also wirklich nur noch eine steinerne Brücke, die obere Brücke genannt, welche zu dem Rathhause führt. Anstatt der herrlichen Seesbrücke, welche die Stadt mit der Vorstadt, vor Alters Teuerstatt (nicht Treuerstadt) heutiges Tags der Steinweg genannt, verbunden hat, ist nun weiter oben eine neue dauerhafte Brücke von Holz erbauet worden. Es ist auch falsch, daß, wie es S. 44. heißt, die neue Hauptwache größtentheils eingestürzt, und alle Mühlen dahin seyen. Mehrere Mühlen sind darauf gegangen, und alle haben mehr oder weniger Schaden gelitten; aber der Hauptwache halber stand man nie in Sorgen.
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„Die Stiftskirche zu St. Stephan (S. 41.) ließ der erste Bischoff Eberhard erbauen, und fundirte das dabey liegende Stift.“ Nichts weniger; sondern sowohl| die Kirche und das Kloster auf dem Mönchs- oder Michelsberg, als die Kirche und das Stift auf dem Stephansberge erbaueten und fundirten K. Heinrich und seine Gemahlin Kunegund, wie solches die Stiftungsurkunden klar ausweisen; doch wird gemeiniglich die Fundation des Stifts ihr allein zugeschrieben, weil die Stiftungsgüter ihr Eigenthum waren.
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Eben daselbst gibt der Verf. als bemerkenswehrt an das Frauenkloster St. Theodor; allein wer darnach zu Bamberg fragte, dürfte wohl schwerlich eine Antwort erhalten. Ich will aus einigen alten Handschriften Auskunft mittheilen. Johann Cygnäus schreibt also davon: St. Theodori das herrliche und schöne Kloster Benedictiner Ordens ist von edlen Jungfrauen, die die ewige Keuschheit gelobt, bishero besetzt gewesen: hat seinen Anfang erstlichen zu Michelfeld auf St. Niclaß Bühel, allda noch heutiges Tags (1604.) ein Jungfrauen Kloster ist, Anno 1135 gen Bamberg gelegt, transferirt, und von Neuem aus einem Spital zu einem Kloster erhoben und erbauet worden, von Gertrude, Cunradi des Marggrafen zu Meissen Tochter, die ihren Schwestern in| großer Heiligkeit etliche Jahre vorgestanden. In diesem Kloster liegt begraben Hermannus der eilfte Bischof zu Bamberg, so gestorben Anno 1177., und dessen sie eine leibliche Schwester gewesen. Die Reihe der Äbtissinnen war:

1) Frau Getrudis erste Stifterin dieses Klosters † 1191. Dieser ist von Hermanno ihrem Bruder das Spital S. Theodori eingeräumt worden. 2) Bertha. 3) Melthedis. 4) Clara Lißbergerin. 5) Elisabeth von Thüngenreuth. 6) Margareth Grossin von Trogau. 7) Elisabeth von Draunrarth, eine gute Haushälterin und die andere Stifterin dieses Klosters † 1390. 8) Christina von Rabenstein. 9) Catharina Stibarin † 1436. 10) Gertraud von Aufses. Sie stunde dem Kloster 23 Jahre vor, und war Bischoff Friedrichs von Aufses leibliche Schwester † 1459. 11) Kunigund Schenkin von Wetzhausen, ist dem Kloster 40 Jahre mit großem Lob vorgestanden, † 1498, 12) Catharina Schafstalerin. Sie war 22 Jahre Vorsteherin † 1520. 13) Magdalena von Lichtenstein. Sie stunde dem Kloster im Bauernkriege vor, † 1528. 14) Dorothea. 15) Ursula von Rosenau wurde erwählt nach Christi Geburt 1540.

| Vermög eines vom Bischoff Hermann übergebenen Briefs ist eine jede Äbtissin die Investitur vom Bischoff, und das Hospital von einem Domdechant zu empfangen schuldig; und wo es kein Kloster mehr seyn würde, soll das Hospital dem Capitel wiederum heimgehen.

Bischoff Ernst, ein geborner von Mengersdorf, versetzte um das Jahr 1591 die Karmeliten aus ihrem Kloster auf dem Markte, nach St. Theodor an die Stelle der Nonnen, und verwandelte ersteres in ein Gymnasium. Johann Gottfried von Aschhausen räumte nachher im J. 1610. dieses Gymnasium und ehemalige Karmelitenkloster den Jesuiten ein. Der Verf. hätte demnach statt des Frauenklosters St. Theodor das Karmelitenkloster nennen sollen.

S. 41. wird gesagt: „In dem bischöfflichen Sommerschloß Geierswerth hätten das fürstliche Regierungscollegium und die Kammer ihren Sitz.“ Von der Kammer und Obereinnahme ist das wahr; aber die weltliche Regierung hat schon sehr lange ihren Sitz in eine Flügel der jetzigen Fürstbischöfflichen Residenz.

| „Der mittlere Theil der Stadt,“ schreibt der Verf. ebendaselbst, „hängt mit dem obern Theil mittelst einer schönen Brücke zusammen.“ Vor der Überschwemmung gingen zwey schöne steinerne Brücken, die obere und untere genannt, über die Regnitz, die ganz nahe beysammen standen. Die obere ist in ihrem Wesen, von der untern steht noch ein Theil, und bis diese wieder ergänzet wird, ist einsweilen ein hölzerner Fußsteig daneben errichtet worden. Weit mehr aber irret der Verf., daß er viele Gebäude in die mittlere Stadt legt, die doch jenseits der obern Brücke, und also in dem obern Theile liegen, als die Marienkirche (muß, um selbst den Bambergern verständlich zu werden, beygesetzt werden: zur obern Pfarre.) Der jetzige Pfarrverweser Herr geistliche Rath Schellenberger hat vor zwey Jahren eine umständliche Beschreibung derselben unter dem Titel: Geschichte der Pfarre zu U. L. Frauen in Bamberg an dem 4ten Jubeljahre der dermaligen Pfarrkirche, in 8. mit Kupfern heraus gegeben, die viele nützliche und dem Statistiker interessante Nachrichten enthält. Ich ziehe daraus etwas über die Volksmenge aus: Im Jahr 1735 betrug die Anzahl der eingepfarrten Seelen| in der Stadt allein 5538; mit Einschluß aber der benachbarten hieher gehörigen Dörfer und Höfe 5782. In hundert Jahren, nämlich von 1686 bis 1786. waren der Geehlichten 5748. der Gebornen 26064. der Gestorbenen 23555, unter welchen Erwachsene waren 12965, Kinder 10590.

Herr Hofrath und Leibarzt Markus in seiner Schrift von den Vortheilen der Krankenhäuser für den Staat gibt S. 111. folgendes an: So viel man mit Gewißheit annehmen kann, so bestehet die hiesige Volksmenge (zu Bamberg) aus zwanzig bis ein und zwanzig tausend. Im Jahre 1789. zählte man in der St. Martinspfarre 8611, in der obern Pfarre 8240. (hier sind wohl die eingehörigen Dorfschaften auch mit gezählt?) Die Dompfarre, die Abtey Michelsberg, die Dom- und Kanonikathäuser, St. Stephan, St. Gangolf, St. Jacob und deren Pfarreyen, sodann die Klöster der Domincaner, Franciscaner, Karmeliten, Kapuciner, und die drey Nonnenklöster werden insgesammt auf 4000 berechnet, somit in Summa 20851. Ich theile hier noch eine fernere Anzeige über einen Theil der hiesigen Einwohner mit, für deren Ächtheit ich bürgen kann.

| Nach dieser befinden sich in hiesiger Stadt:

Tausend sechshundert vier und zwanzig Handwerksmeister.
Tausend und drey Handwerksgesellen.
Zweyhundert acht Lehrjungen.
Zweyhundert zwölf Ordensgeistliche, worunter 192 männliche, und 80 weibliche sind.
Hundert zwey und sechzig Weltgeistliche.

Ferner befinden sich in Bamberg sechzig Judenhaushaltungen, welche aus 357 Köpfen bestehen.

Aus den neuesten Verzeichnissen beyder Pfarreyen theile ich folgendes mit: In der untern Pfarre zu St. Martin sind im J. 1789 gestorben 242, worunter Erwachsene 128, Kinder 114, Arme, welche ohnentgeltlich begraben wurden, 151. waren. Getrauet wurden 38 Paare. Geboren 237, worunter 116 männliche, und 121 weibliche. In diesem Jahr sind 45 mehr als im vorhergegangenen gestorben, 3 Kinder weniger geboren, und 5 Paare weniger getrauet worden. Hausväter und Hausmütter waren in der dießjährigen Zählung 1950, Hausbeständner und Beständnerinnen 1835, Söhne und Töchter 1750, Kinder, welche noch nicht zum Tisch des Herrn gehen, 1584.| Dienstboten 1431, Augsburgische Confessionsverwandte 61. Die Summa also aller Pfarrgenossen betrug 8611; demnach 105 weniger als im vorigen Jahr.

In der obern Pfarre zählte man an erwachsenen Communicanten und der kleinen Jugend in der Stadt 7380. Auf dem Lande in den eingepfarrten Dorfschaften und Höfen 604, der neuen Communicanten 152, der Augspurgischen Confessions-Verwandten 39. Hochzeiten wurden eingesegnet. 57, Kindtaufen gehalten. 251 Leichen begraben, der Erwachsenen 124. der Kinder 164. Der Seelen in dieser Pfarrey gegen das vorige Jahr gerechnet sind weniger geworden 65. Man siehet, daß diese Listen nicht nach einer gewissen Vorschrift, wie doch zu wünschen wäre, sondern nach dem Gutbefinden eines jeglichen Seelsorgers abgefaßt wurden. Die Coburgischen Verzeichnisse könnten als Muster für die Zukunft dienen. Wenn die oben angeführte runde Zahl von 4000 Seelen in den Nebenpfarren, Stiftern und Klöstern ihre Richtigkeit hätte, so wäre die Volksmenge Bambergs beym Schluße des Jahrs 1789 gewesen 20182 Seelen.

Wir müssen nun wieder zu unserm irrenden Verfasser zurückkehren. Er setzt drey| Mannsklöster in die mittlere Stadt, da doch nur das einzige Capuciner-Kloster darin befindlich ist; hingegen das Dominicaner und Franciscaner Kloster jenseits der Regnitz in dem Bezirk der obern Pfarre gesucht werden müssen. Ingleichen ist die Lage des Aufseeßischen Seminariums falsch angegeben. Es liegt unter dem Michelsberg, der fürstbischöfflichen Residenz zur Seite, und also freylich in der obern Stadt auf einem ziemlichen Bergrücken. Auch hat sich der Verfasser von der Reisebeschreibung des Herrn Nicolai irreführen lassen, wenn er sagt, diese Stiftung wäre für Jünglinge, welche Priester werden wollten, bestimmt. Daran hat ausser dem Herrn Nicolai noch keine Seele gedacht. Wenn sie die Philosophie absolvirt haben, werden sie entlassen, um andern Platz zu machen, und ein jeder mag alsdann zusehen, was er werden will oder kann.

Daß im mittlern Theile der Stadt zwey Nonnenklöster sind, hat seine Richtigkeit, nämlich eines der so genannten Englischen Fräulein, welche sich mit dem Unterricht der weiblichen Jugend rühmlich beschäfftigen, und ein anderes der Clarisserinnen Franciscaner Ordens, die nie Fleisch essen, und eine strenge Clausur haben.

| Heutigestags verdient in dem Theile der Stadt jenseits der Regnitz noch angemerkt zu werden das von dem regierenden Fürstbischof aus eignen Mitteln herrlich erbaute Krankenhaus im sogenannten Sand. Die Schönheit dieses Gebäudes, schreibt Herr Hofrath Markus in der obengenannten Schrift, harmonirt vollkommen mit der schönen Lage und Aussicht desselben. Es liegt ganz frey, und ist von keinem Nebengebäude eingeschlossen, seine Aussicht gehört zu den vorzüglich schönen dieser Stadt, die in Rücksicht ihrer Lage und Aussichten von wenigen in Deutschland wird übertroffen werden. Gegen Morgen übersehen die Schmerzenskinder dieses Hauses den großen herrlichen Garten, der botanisch angelegt wird, und ihnen zum Spaziergang dient. Gegen Mittag, die Stadt mit ihren reichen fetten Fluren, die unter dem Namen der hiesigen Gärtnerey mit Recht so berühmt sind. Gegen Abend die Regnitz bis an den Ort, wo sie sich schwesterlich mit dem Mayn vereiniget. Gegen Mitternacht die herrliche Prälatur Michelsberg, die ihrer schönen Gebäude, Terrassen und Aussichten halber eine der schönsten und berühmtesten in Franken ist. – Was diesem Hause noch besonders zur Zierde gereicht, ist ein großer| freundlicher Hofplatz, in dessen Mitte ein sehr schöner Brunnen stehet. Zu den Nebengebäuden dieses Hauses gehört ein sehr niedliches und bequemes Badehaus, wo die Bäder für männliche, und weibliche Kranken abgesondert sind, und durch gelegte Röhren und angebrachte Hahnen nach Erforderniß kalt und warm gemacht werden können. Ausser diesen Hausbädern werden auch noch Flußbäder in dem anstoßenden Regnitzstrome für die Kranken angelegt.

Was die innerliche Einrichtung dieses Spitals betrifft, so können 120 Kranke ganz bequem aufgenommen werden. Ein jeder Kranker hat sein eigenes Bett, welches aus einem Strohsack, einer Matrazze, zwey Polstern, zwey Kopfküssen, zwey Betttüchern, und einer wollenen Decke bestehet. Die männlichen und weiblichen sind gänzlich von einander abgesondert. Diese Absonderung ist theils durch Flügelthüren, die in der Mitte der mehr als 200 Schuhe langen Gänge sich befinden, bewirkt worden, theils aber dadurch, daß zwischen den weiblichen und männlichen Krankensälen eine Hauscapelle angebracht wurde.

In dieser Capelle können die Kranken beyderley Geschlechts Messe hören, ohne daß| sie zusammen kommen. Die Kranken in den beyden obern Stockwerken können sogar der Meßandacht beywohnen, ohne daß sie nöthig haben, sich aus ihren Zimmern zu begeben. So wohl der mittlere obere, als auch der untere Stock ist für äusserliche Kranke bestimmt, und in einem jeden Zimmer dieses Stocks stehen vier Betten. Der mittlere Stock ist für die innerlichen Kranken, die unentgeltlich aufgenommen werden; der obere aber für diejenigen, die für ihren Aufenthalt, Verpflegung und Heilung etwas zu entrichten haben. Zu den letzteren gehören die kranken Handwerksgesellen, und das noch zu errichtende Dienstboteninstitut.

Die Zimmer des Flügelgebäudes, welche an den mittleren und obern Stock anstossen, die mit den großen Krankensälen aber keine Gemeinschaft haben, sind für die Venerischen, Krätzigen, und übrige ansteckende Kranken bestimmt.

In den großen Krankensälen, deren vier in jedem Stock sind, stehen acht Betten. Ein jeder dieser Säle hat 14 Schuhe in der Höhe, 33 in der Länge und 31 in der Breite. Die Betten stehen nicht in einer Reihe, sondern| vier und vier auf jeder Seite. Zwischen einem jeden Bette ist ein Leibstuhl, der aber nicht im Saal selbst, sondern ausser demselben in einem Verschlage stehet. So wie eine Thüre von einwärts den Kranken zum Leibstuhl führt, eben so ist auch von aussen ein Schubthürchen angebracht, wodurch der Leibstuhl hinweggenommen und gereiniget werden kann. Diese sehr schöne und nützliche Erfindung, die auch in mehreren großen Spitälern schon eingeführt worden, macht, daß auch nicht der geringste üble Geruch in den Krankenzimmern ist. Die Betten haben insgesammt in den großen Sälen Vorhänge, und sind numerirt. Vor dem Bette eines jeden Kranken stehet ein kleiner Tisch, und ein Stuhl, und über dem Bette ist ein Bret, worauf und woran die Trinkgeschirre, Messer, Gabel, Handtücher und einige Kleidungen bequem angebracht werden können. An der Thüre, die zum Leibstuhl führt, hängt eine Tafel, woran der Name des Kranken, dessen Krankheit, und die ihm vorgeschriebene Speiseportion, aufgezeichnet ist. Zur Reinigung der Luft sind in jedem Saale Dunstschlöte angebracht, die nach Erforderniß geöffnet und geschlossen werden. Diese Dunstschlöte werden auch im Winter täglich zwey und| mehrere Stunden offen gehalten, und bewirken, daß der Kranke stets eine reine gesunde Luft einathmet. In dem untern Stock, wo die chirurgischen Kranken liegen, hat man statt der Dunstschlöte Luftlöcher und sogenannte Luftreiniger angebracht.

Zur innern Schönheit dieses Hauses, und zur besondern Bequemlichkeit für die Kranken, gehören die großen, breiten, hellen, und freundlichen Gänge, deren jeder mehr als 200 Schuhe lang ist. Diese an und für sich schon sehr freundlichen Gänge werden durch ein springendes Wasser, welches durch ein Druckwerk hieher geleitet worden, noch anziehender. Das muntere rieselnde Geplätscher, womit sich dieses Wasser in kleine Bassins ergießt, scheint alles um sich her zu erfrischen und zu beleben. Diese mit Wasser stets angefüllte Bassins tragen viel dazu bey, die Reinlichkeit in diesem Hause zu erhalten.

Reinlichkeit überhaupt ist einer von den vorzüglichsten Gegenständen, worauf in diesem Spital eine ganz besondere Sorgfalt verwendet wird. Es müssen daher auch alle Kranke, die dahin kommen, ehe ihnen ein Bett angewiesen wird, entkleidet, und gereiniget werden. Zu diesem Endzwecke werden für beyde Geschlechte Kleidungsstücke in Bereitschaft| gehalten. Diese Kleidungsstücke bestehen ausser dem Hemde, für Mannspersonen, aus einem leinenen Schlafrock und Beinkleidern, für Frauenzimmer, aus einer Jacke und Rock, dann aus einem Halstuch, Haube, Strümpfen, Pantoffeln, und einem Schnupftuche. Die Krankenwärterinnen sind gehalten, die Ankömmlinge zu entkleiden und zu reinigen. Die dem Kranken eigenthümliche Kleidungsstücke werden, nachdem sie vorher durchräuchert, und gereiniget worden, vom Hausverwalter aufbewahrt, bis der Kranke im Stande ist, das Haus zu verlassen. Die Kleidungsstücke für Venerische und Krätzige sind besonders gezeichnet, und werden nie mit andern vermengt. Dieses nämliche gilt auch von den Betten der ansteckenden Kranken. Nach dem Ende einer jeden Woche erhalten die Kranken frische Wäsche.
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Da die Erfahrung in mehrern Spitälern gezeiget hat, daß die männlichen Krankenwärter nicht so für die Reinlichkeit besorgt sind, als die weiblichen, so hat der Fürst ausdrücklich befohlen, auch für die männlichen Kranken, keine andern als weibliche Krankenwärterinnen zu nehmen. Eine jede| Krankenwärterin hat die Obsorge über sieben Kranke. In jedem Saal von 8 Betten befindet sich daher auch jedesmal eine Wärterin, für die eines dieser Betten leer stehen bleibt. Die größern Krankensäle sind sehr bequem für die Wärterinnen eingerichtet, indem Glasthüren zwischen einem und dem andern Saale angebracht sind, wodurch die Wärterinnen zusammen kommen, und sich beystehen können.
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So sehr auf Reinlichkeit und gute Warte in diesem Hause gesehen wird, so wird nicht minder auch alle Sorge angewendet, den Kranken eine gute und nahrhafte Kost zu verschaffen. Die Krankenkost ist in Speiseportionen abgetheilt, und zwar in viertel, halbe, dreyviertel, und ganze Portionen. Der Arzt bemerkt täglich an der Tafel, die bey dem Bette eines jeden Kranken hängt, die Portion, die ihm bestimmt ist. Die ganze Portion bestehet aus Suppe, Rindfleisch, Gemüse, und eingemachtem Kalbfleische; die dreyviertel Portion, aus Suppe, eingemachtem Fleische, und Gemüse; die halbe aus Suppe und Gemüse, und die viertel Portion aus Suppe. Auf jeden Kranken wird täglich ein Laibchen Brod und eine Maaß Suppe gerechnet, indem die Kranken| auch früh und Abends Suppe bekommen. Diejenigen, denen die ganze Portion vorgeschrieben ist, erhalten auch Abends Fleisch. Ein jeder Kranke bekommt die ihm bestimmte Portion allein auf seinen eignen Tisch. Die Speisen müssen in eisernen Töpfen gekocht werden. Die ganze Ökonomie wird auf Rechnung des Fürsten geführt, wozu ein Hausverwalter aufgestellt ist, der monatlich bey der Spitalcommission Rechnung abzulegen hat.
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Die arzneyliche Verpflegung übergehe ich, um nicht zu weitläuftig zu werden, und bemerke nur noch das neue Krankeninstitut für die hiesigen Handwerksgesellen, wozu der wohlthätige Fürst tausend Gulden Fränkisch aus seinem Eigenthume geschenkt hat. Bey der Aufnahme zahlt jeder Gesell drey Kreuzer, und wöchentlich einen Kreuzer. Dieses Geld nehmen eigene dazu bestellte Handwerksmeister ein, und zahlen dem Spital für jeden kranken Gesellen täglich 25 Kr. rheinisch. Da sich mehrere protestantische Handwerksgesellen in hiesiger Stadt befinden, die, wenn sie erkranken, in dieses Spital gebracht werden, so ereignet sich öfters der Fall, daß ein protestantischer| Pfarrer aus der Nachbarschaft hieher gehohlt wird. Es ist daher ein Zimmer daselbst in Bereitschaft, das mit einem Bett und den übrigen nöthigen Meubeln versehen ist, damit er auch die Nacht hier verbleiben könne.

Wenn eine so vollständige Beschreibung gleich nicht in ein geographisches Werk gehört, so verdient sie doch im Journal von und für Franken weiter bekannt gemacht zu werden.


(Die Fortsetzung folgt.)