BLKÖ:Young, Peter Thomas

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 59 (1890), ab Seite: 60. (Quelle)
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Young, Peter Thomas (Vorsteher der Privatbibliothek Seiner Majestät des Kaisers von Oesterreich, geb. in Livorno am 28. Juni 1764, gest. zu Wien am 14. Februar 1829). Nach einigen Quellen als ein natürlicher Sohn des Kaisers Leopold II. geboren, als dieser noch Großherzog von Toscana war. Sein angeblicher Vater war ein schottischer Edelmann und Oberst Namens Young, der in Florenz lebte und den berühmten Dichter der „Nachtgedanken“ Eduard Young[WS 1] und sonst hohe Würdenträger, wie Admirale, Bischöfe u. dgl., zu seinen Verwandten zählte. Peter Thomas genoß eine sehr sorgfältige Erziehung und vollendete seine wissenschaftliche Ausbildung an der damaligen großherzoglichen adeligen Akademie in Pistoja, an der er vornehmlich Naturwissenschaften betrieb und sich insbesondere eine große Geläufigkeit in der lateinischen Sprache aneignete, in welcher er mit Gewandtheit Verse schrieb, von denen Einiges im Druck erschien. Als er die Akademie verließ, veröffentlichte er eine kleine dem Großherzoge zugeeignete Schrift: „De ignivomorum montium et terrae motuum natura effectibusque exinde profluentibus“ (Pistoja 1782, 8.°), in welcher er der damals herrschenden Ansicht der Geologen, daß Erdbeben und vulcanische Feuer aus einem im Innern der Erde fortbrennenden Centralfeuer und elektrischer Wirkung entstehen, entgegentrat und seine Ansicht mit nicht geringem gelehrten Aufwande durchführte. Noch hörte er in Pistoja rechtswissenschaftliche Disciplinen, dann trat er 1783 am erzherzoglichen Hofe ins öffentliche Geschäftsleben und bewährte sich in demselben alsbald in solchem Maße, daß er, als nach Kaiser Josephs II. Tode Großherzog Leopold II. die Regierung der gesammten Erblande seiner Ahnen übernahm, unter [61] die Wenigen aufgenommen wurde, welche den neuen Monarchen nach Wien begleiteten. Daselbst blieb er während der kurzen Regierungsdauer Leopolds II. in seinem Dienste thätig und wurde auch nach dessen Tode von dem Nachfolger, dem Kaiser Franz, in der Stelle bestätigt, welche er damals im geheimen Cabinete des Kaisers bekleidete. Im Jahre 1800 rückte er vom Official zum geheimen Cabinetssecretär vor, wurde dann Vorsteher der kaiserlichen Privatbibliothek, darauf Regierungsrath, zuletzt wirklicher Hofrath, Secretär und Schatzmeister des kaiserlichen Ordens der eisernen Krone. Als Bibliothekar der reichen Privat-Büchersammlung des Kaisers brachte er diese in eine vortreffliche Ordnung und katalogisirte sie in wahrhaft musterhafter Weise, indem er über sie nicht weniger denn vier Kataloge, einen alphabetischen, chronologischen, typographischen und topographischen ausarbeitete; auch verwendete er die der Anstalt zugewiesene Dotation zur Anschaffung der gediegensten Werke. Bei der hohen wissenschaftlichen Bildung, die er besaß, blieb sein Geist auch in dieser Richtung nicht unthätig. Außer verschiedenen Festgedichten, die er anläßlich besonders erfreulicher Ereignisse in der kaiserlichen Familie geschrieben, übersetzte er das lateinische Original des Gedichtes „Zodiacus vitae“ von Marcellus Pallingenius (einem italienischen Dichter aus dem 16. Jahrhundert, der mit wahrem Namen Pietro Manzoli hieß und aus Ferrara gebürtig war) in fließende italienische Endekasyllaben (einsilbige Verse), ferner Wieland’s „Oberon“ und Schiller’s „Braut von Messina“ gleichfalls in italienische Verse, doch blieb letztere Uebertragung unvollendet. In seinem Wesen von seltener Liebenswürdigkeit, starb er den Tod eines wahren Weisen im Alter von erst 64 Jahren. Aus seiner Ehe mit Aloisia geborenen Suckel hinterließ er bloß eine Tochter. – Sein Bruder Eduard Johann schlug die militärische Laufbahn ein, war viele Jahre, 1816–1836, Commandant des Militär-Knabenerziehungsinstitutes zu Mailand und starb, das Andenken eines ebenso humanen als umsichtigen und tüchtigen Leiters hinterlassend, als kaiserlicher Generalmajor zu Turin am 15. April 1842.

Cenni necrologici e biografici del Dr. C. B. (Vienna 1829, Strauss, 8°.). – Gräffer (Franz). Francisceische Curiosa oder ganz besondere Denkwürdigkeiten aus der Lebens- und Regierungsperiode Kaisers Franz II. (I.) (Wien 1849, Klang, 8°.) S. 105–112. – Die Gunstdamen und die Kinder der Liebe im Hause Habsburg. Eine galante Studie von A. B. (Berlin o. J., Schlingmann, 12°.) S. 61. – Nekrolog aus dem literarischen Blatte „Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst (von Hormayr). Von Prudezky. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 8°.) Bd. VI, S. 210. – Poggendorf (J. C.). Biographisch literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften u. s. w. (Leipzig 1863, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Band II, Sp. 1383.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Edward Young (Wikipedia).