BLKÖ:Hessen-Homburg, Friedrich Joseph Ludwig Karl August Landgraf

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 436. (Quelle)
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Hessen-Homburg, Friedrich Joseph Ludwig Karl August Landgraf (k. k. General der Cavallerie und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Homburg 30. Juli 1769, gest. ebenda 2. April 1829). Der älteste unter sechs Söhnen des Landgrafen Friedrich V.[WS 1] (gest. 20. Jänner 1820), trat 1783, 20 Jahre alt, als Hauptmann in das Infanterie-Regiment Stain und machte bereits im folgenden Jahre den Krieg gegen die Türken mit, in welchem dem Feldzeugmeister Graf Clerfayt der Oberbefehl in der Kraina und kleinen Wallachei anvertraut war. Am 15. Juni 1790 erhielt Clerfayt die Kunde, daß eine feindliche Masse von 8000 Mann über die Donau gesetzt und eine alte russische Schanze bei Kalafat, einer Insel der Donau, durch dortige Einwohner wieder herzustellen beginne. Graf Clerfayt sammelte nun alle am linken Ufer der Donau zerstreut liegenden Truppen und nachdem sie vereinigt waren machte er Anstalten zum Angriffe. Am 26. griff er den Feind in seinen Verschanzungen mit aller Kraft an und erfocht, ungeachtet des heftigsten Widerstandes von Seite der Türken, den glänzendsten Sieg. Prinz Friedrich erbat sich, da das Bataillon, zu welchem er gehörte, nicht bestimmt war am Kampfe Theil zu nehmen, von dem Feldzeugmeister Clerfayt den Angriff mitmachen zu dürfen. Die Bitte wurde ihm gewährt und an der Spitze einer Division Toscana-Huszaren machte er eine Attaque mit, focht mit großer Tapferkeit und verlor im Kampfe durch einen Schuß sein Pferd unter dem Leibe. Für sein ausgezeichnetes, von glänzendem Erfolge begleitetes Verhalten wurde er in der 23. Promotion (19. December 1790) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens belohnt und außerdem zum Major im Chevauxlegers-Regimente Leveneur befördert. Am 24. Mai 1792 rückte er zum Oberstlieutenant im Kürassier-Regimente Hohenzollern vor. In dem im folgenden Jahre ausgebrochenen ersten Kriege gegen Frankreich zeichnete sich der Prinz wieder bei Dangendorf, 2. December 1795, und bald darauf bei Neuburg aus. Am ersteren Orte kam er dem Oberstlieutenant Klenau in Vertheidigung seiner Position rechtzeitig und wirksam zu Hilfe; am letzteren aber von Klenau auf das kräftigste unterstützt, hielt er im heftigsten Kanonenfeuer Stand, mit seiner Escadron eine in ernstes Gedränge gerathene Division des Regiments Thurn stützend. Am 2. August 1794 wurde Prinz Friedrich Oberst im Regimente Modena-Chevauxlegers. In einem zweiten Treffen bei Neuburg, 14. September 1796, wurde der Prinz verwundet. Am 16. April 1797 wurde er General-Major, am 23. October 1800 Feldmarschall-Lieutenant. In den Feldzügen der Jahre 1805 und 1809 befehligte der Prinz eine Cavallerie-Division bei der Armee in Deutschland, wo er sich als gewandter und umsichtiger Führer größerer Reitermassen bewährte. Am 20. Juli 1813 wurde Prinz Friedrich zum General der Cavallerie befördert und ihm das Commando des Reserve-Corps der großen böhmischen Armee übergeben, welches aus zwei Grenadier-Divisionen bestand, zu denen noch das Kürassier-Regiment [437] Feldmarschall-Lieutenant Graf Nostiz hinzukam. Der denkwürdige 16. October rückte heran. Der Feldmarschall Fürst Schwarzenberg hatte die Absicht, das Centrum und den linken Flügel Napoleon’s im Vorrücken aufzuhalten, und wenn möglich zurückzudrängen, unter Einem aber den rechten Flügel bei Connewitz und Markkleeberg anzugreifen, aufzurollen und dann gegen Leipzig vorzudringen. Prinz Friedrich erhielt nun Befehl das Dorf Connewitz, den eigentlichen Schlüssel der Aufstellung, durch Merveldt’s Corps zu nehmen, ihm die Divisionen Bianchi und Weissenwolf folgen zu lassen, während die Nostiz-Kürassiere sich rechts halten und als rechter Flügel sich an’s Merveldt’sche Corps anschließen sollten. Prinz Friedrich hatte diese Bewegung mit musterhafter Einsicht geleitet und ausgeführt, und sein von dem schönsten Erfolge gekrönter Angriff auf die mit großer Macht vorrückenden Massen des Feindes bei dem Dorfe Gröben zählt zu den glänzendsten Episoden der dreitägigen Völkerschlacht. Am entscheidenden 18. October wurde ihm das Commando der ersten 40.000 Mann starken Colonne übertragen. Diese bestand aus der Division Lederer am linken Ufer der Pleisse, aus dem ersten österreichischen Armee-Corps des Feldzeugmeisters Colloredo, den Reserve-Divisionen Bianchi und Weissenwolf, der österreichischen Cavallerie-Reserve Nostiz und der Division Alois Fürst Lichtenstein, sämmtlich am rechten Ufer der Pleisse. Prinz Friedrich hatte Befehl, auf dem rechten Pleisseufer von Markkleeberg über Dölitz und Lösnig, auf dem linken gegen Connewitz vorzurücken. Bei Dölitz, von wo der Feind bereits vertrieben aber mit verstärkter Macht dahin zurückgekehrt war, entspann sich ein blutiger Kampf. Die Gegenwehr des Feindes maß sich mit dem Siegesmuthe der Unsern. Prinz Friedrich in Person im heftigsten Kugelregen stehend, begeisterte die Bataillone zum Sturm, mit welchem das Dorf Dölitz genommen wurde. Prinz Friedrich, schwer verwundet, sank vom Pferde und mußte das Commando der siegreich vorstürmenden Colonnen dem Feldzeugmeister Colloredo übergeben. Mit Allerhöchstem Handschreiben aus Schmalkalden 30. October 1813 erhielt Prinz Friedrich das Commandeurkreuz des Maria Theresien-Ordens. Nach seiner Genesung trat er wieder in die Armee ein, erhielt das Commando der 5. Colonne, welche aus 2 Grenadier- und 2 Cavallerie-Divisionen bestand. Mit diesen überschritt er bei Schaffhausen den Rhein und traf am 29. December 1813 in Bern ein. Von da setzte er den Marsch nach Dijon fort, schloß Auxonne ein und wurde nun Oberbefehlshaber aller zwischen der Saone und dem Doubs aufgestellten Truppen mit Einschluß der Blocade-Corps. Nach den siegreichen Gefechten bei St. Georges, Longsard, Dorieux, drängte der Prinz den ihm gegenüberstehenden französischen Marschall Augereau nach Lyon zurück, vertrieb ihn im siegreichen Kampfe aus der vortheilhaften, auf der Höhe des Gebirges innegehabten Stellung bei Limonest und Rochefort, eroberte am 20. März 1814 den Bergrücken bei Dardille, den Schlüssel der feindlichen Aufstellung, und rückte am 21. siegreich in Lyon, Frankreichs zweiter Hauptstadt, ein, womit nun der Durchgang zu den südlichen Provinzen des Landes und die Vereinigung der Süd- und Nordarmee gewonnen waren. Am 11. April schloß Prinz Friedrich mit Augereau einen Waffenstillstand und beendigte die Feindseligkeiten [438] in diesen Ländertheilen. Noch einige Jahre verblieb der Prinz bei der österreichischen Armee, bis ihm durch den am 20. Jänner 1820 erfolgten Tod seines Vaters die Regierung seines Landes zufiel, welche er als Friedrich VI. antrat. Er führte diese 9 Jahre hindurch. Die Schilderung derselben liegt außer dem Bereiche dieses Werkes. Der Landgraf Friedrich, als solcher der VI., war mit der königlichen Prinzessin Elisabeth[WS 2], Tochter Georg’s III. von England, vermält, welche eine gute Zeichnerin und Malerin war und eine reiche Sammlung kostbarer Albums und Prachtbücher, darunter das der unglücklichen Prinzessin von Ahlden[WS 3], in 80 von ihr selbst kunstvoll componirten und mit Randarabesken umgebenen großen Folioblättern besaß. Der „neue deutsche Nekrolog“ 1829, S. 317, nennt den Helden „einen menschenfreundlichen, gottesfürchtigen, das Wohl des ihm anvertrauten Landes nach allen Seiten fördernden, von den Bewohnern desselben seiner Leutseligkeit und anderer trefflichen Eigenschaften wegen verehrten und geliebten Fürsten“.

Gothaische Zeitung 1829, Nr. 69. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Ilmenau 1831, Bernh. Friedr. Voigt, 8°.) VII. Jahrg. (1829), S. 315. – Gedächtnißpredigt des Pfarrers H. G. Stamm zu Hundsbach. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon (Wien 1850, 8°.) Bd. III, S. 172. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 330, 1145, 1735 und 1748. – Oesterreichische National-Encyklopädie, herausg. von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 571. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation. Vierte Abtheilung: Geschichte der Höfe der Häuser Baiern, Würtemberg, Baden und Hessen (Hamburg, Hoffmann u. Campe, 8°.) Theil V, S. 457.

Anmerkungen (Wikisource)