BLKÖ:Folliot von Crenneville, Ludwig Karl Graf

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Folo, Giovanni
Band: 4 (1858), ab Seite: 277. (Quelle)
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Folliot von Crenneville, Ludwig Karl Graf (General d. Cavallerie, Ritter des Mar. Theresien-Ordens, geb. zu Metz 3. Juli 1765, gest. zu Wien 21. Juni 1840). Stammt aus altadeligem normännischen Geschlechte; kam früh in die militärische Schule von Pont à Mousson, später zur Auszeichnung in jene von Paris, dann schon im 15. Jahre als Eleve in die königl. franz. Marine, in welcher er bis 1791 ehrenvoll diente, zum Schiffslieutenant mit Majorsrang vorrückte und fast ununterbrochen eingeschifft, beinahe alle Meere durchkreuzte und alle Welttheile besuchte. Nach der Verhaftung Ludwig XVI. wanderte er aus und machte den Feldzug 1792 im Corps Royal de la Marine mit. Den 1. April 1793 trat er als Cadet bei Kaiser-Chevauxlegers in österr. Dienste, ward 1794 Unterlieutenant, 1796 dem Generalquartiermeisterstabe zugetheilt, wo er sich in den Schlachten [278] von Schliengen und Würzburg auszeichnete, zum Oberlieutenant und 1797 zum Hauptmanne im Corps vorrückte und mit der Leitung der Einschiffung der zur Einnahme von Istrien und Dalmatien. bestimmten Truppen beauftragt ward. 1798 begleitete er den Prinzen Ferdinand von Würtemberg nach Petersburg, wurde bei seiner Rückkehr Major und dessen Flügeladjutant, im Jahre 1800 Oberstlieutenant, dann Oberst und General-Adjutant des Erzherzogs Karl und Chef des Marine-Departements und 1805 außer der Tour Generalmajor mit Beibehaltung des Departements im Hofkriegsrathe. Im April d. J. vollendete er die Ausführung eines selbstentworfenen Planes zur Vertheidigung Venedigs, kam als ad latus des General-Quartiermeisters der Armee in Deutschland unter Commando des Erzherzogs Ferdinand, nahm die Feste Oberhaus bei Passau mit 400 Mann nach 24stündiger Berennung mit Sturm ein, und wurde später nach Berlin gesendet, um im Einklang mit dem damaligen Gesandten, Grafen Metternich, die Mitwirkung der preuß. Armee zu beschleunigen, welches glücklich eingeleitete Project durch den Verlust der Schlacht bei Austerlitz vereitelt wurde. 1806 war er Brigadier in Kroatien, 1807 Commandant von Fiume und später Brigadier zu Klattau in Böhmen. Im Feldzuge von 1809 commandirte er die Avantgarde des unter Grafen Kolowrat’s Befehle stehenden Armeecorps. Im J. 1813 rückte er zum Feldmarschall-Lieutenant vor und zeichnete sich durch Wegnahme des Plauen’schen Grundes bei Dresden aus, wo er am 26. Aug. mit besonderer Kaltblütigkeit den Feind durch einen halben Tag, ohne zu weichen, beschäftigte, und seine Armeedivision als Arrieregarde mit sehr geringem Verluste bis nach Böhmen zurückführte. Er machte die Schlacht von Leipzig mit, nahm bei Hochheim eine feindliche Redoute sammt der Artillerie, und zeichnete sich in den Gefechten von Paris aus, worauf er mit Handbillet ddo. Paris am 1. Juni 1814 den Mar. Theresien-Orden und die zweite Inhabersstelle des Regimentes Erzherzog Franz-Kürassiere Nr. 2 erhielt. Nach dem Friedensschlusse ward er Divisionär in Vicenza, suchte aber schon 1817 wegen seiner angegriffenen Gesundheit die Pensionirung an. Obgleich seine Bitte erfüllt wurde, erhielt er später doch den Auftrag, die k. k. Kriegsmarine in Venedig zu organisiren. 1823 ward er zum geh. Rath und Obersthofmeister Sr. kais. Hoheit des Erzh. Vicekönigs ernannt und fungirte 9 Jahre in dieser Stelle. 1831 wurde er General der Cavallerie, 1832 Oberlieutenant der 1. adeligen Arcieren-Leibgarde, 1835 Capitänlieutenant in derselben. In dieser Epoche begleitete er den Kaiser im Jahre 1833 zu der Zusammenkunft der Monarchen in Prag und Münchengräz und 1834 in’s Lager bei Brünn. F. unterlag einem langwierigen Lungenleiden, welches er sich während seines Aufenthaltes in Venedig, als er daselbst die kaiserl. Kriegsmarine organisirte, zugezogen hatte. Mit rücksichtsloser Aufopferung und unbegrenzter Ergebenheit für seinen Kaiser und seine Pflicht, verband er ritterlichen Sinn; das, was er für Recht erkannte, sprach er stets offen aus und führte es, nie sich selbst oder Privatverhältnisse berücksichtigend, durch. Ein wohlwollendes Herz und die feinste Urbanität milderte seine sonst strenge Haltung. – Aus der im Jahre 1810 mit seiner Nichte Victoria, Reichsfreiin von Poutet, geschlossenen Ehe leben drei Söhne: die Grafen Franz, Karl und Ludwig (siehe die Folgenden). – Graf Franz (Feldmarschall-Lieutenant, geb. 22. März 1815). War im Jahre 1839 Hauptmann im Infanterie-Regimente [279] Erzh. Rainer, wurde 1840 Dienstkämmerer bei Sr. Majestät dem Kaiser Ferdinand u. rückte in dieser Stellung bis zum Obersten und Flügeladjutanten Sr. Maj. des Kaisers (Sept. 1848) vor. Im Jän. 1849 zum Inf.-Reg. Nr. 53 übersetzt, erhielt er das Grenadier-Bataillon Laiml, übernahm darauf das Commando des Inf.-Reg. Nr. 47, wurde 1850 Generalmajor u. Brigadier in Italien und ist gegenwärtig Feldmarschall-Lieutenant, Ritter des Ordens der eisernen Krone II. Classe und Großofficier der franz. Ehrenlegion. – Graf Karl (k. k. Major a. D., geb. 28. März 1811). Trat 1823 als Unterlieutenant in das Hußaren-Regiment Nr. 9 ein, wurde 1831 Rittmeister, 1836 Major im Kürassier-Regimente seines Vaters und war durch vier Jahre Adjutant bei Erzh. Franz, Herzog von Modena. Im J. 1839 in das Dragoner-Regiment Nr. 6 q. t. übersetzt, trat er 1842 in die Ruhe zurück und lebt gegenwärtig zu St. Pölten dem Studium der Kriegswissenschaften. Im April 1848 trat F. zur aushilfsweisen Dienstleistung beim Stadtcommando in Belluno ein, und veröffentlichte später seine gemachten Erfahrungen, indem er „Die Gegensätze der Kriegführung in Ungarn und Italien“ niederschrieb. Der Graf ist seit 1834 k. k. wirkl. Kämmerer. – Graf Ludwig (General-Major, geb. 22. Juni 1813). Trat, 17 Jahre alt, als Lieutenant in’s Kürassier-Regiment Nr. 2, wurde 1833 Rittmeister, 1844 Major, 1848 Oberstlieutenant beim 10. und 1849 Oberst im 2. Hußaren-Regiment, kam aber bald darauf in gleicher Eigenschaft zum 10. Hußaren-Regiment zurück. Der Graf ist k. k. wirkl. Kämmerer (seit 1838) und gegenwärtig Generalmajor und Brigadier im 5. Armeecorps.

Hirtenfeld (J. Dr.), Der Mar. Theresien-Orden und seine Mitglieder .. (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 1178 u. 1748 [nach diesem geb. 1763]. – Oestr Militär-Konversations-Lexikon. Herausgeg. von Hirtenfeld u. Dr. Meynert (Wien 1851 u. f.) I. Bd. S. 800 [unter dem Namen Crenneville]. – [Kneschke, Ernst Heinr. Prof. Dr.] Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart (Leipzig 1854, Weigel, gr. 8°.) III. Bd. S. 122. – Gothaisches genealog. Taschenbuch der gräfl. Häuser Jahrg. XVII. (1844) S. 193; Jahrg. XXVIII. (1855) S. 246. – Stand der Familie. Das Haupt der Familie ist gegenwärtig Graf Karl (s. oben), vermält in erster Ehe mit Karoline Gräfin Eßterházy-Galantha (geb. 1811, gest. März 1851), in zweiter Ehe (1853) mit Anna Gräfin Lazansky (geb. 1821). – Wappen. Im silbernen Schilde vor einem rothen, dasselbe ganz überziehenden Andreaskreuze ein ausgebreiteter goldener Doppeladler. Auf dem Schilde steht die Grafenkrone, auf dieser ein gekrönter Helm, mit dem Doppeladler des Schildes.