ADB:Teubner, Benedikt Gotthelf

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Artikel „Teubner, Benedikt Gotthelf“ von Gustav Wustmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 609–611, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Teubner,_Benedikt_Gotthelf&oldid=- (Version vom 9. Juli 2020, 09:45 Uhr UTC)
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Teubner: Benedikt Gotthelf T., der Begründer der noch heute blühenden Buchdruckerei und Buchhandlung in Leipzig (geboren am 16. Juni 1784 in Großkraußnigk in der Niederlausitz, † am 21. Januar 1856 in Leipzig). Den größten Theil seiner Kindheit verlebte er in Goßmar, wo sein Vater Prediger war. Bei diesem genoß er auch den ersten Unterricht. 1798 trat er bei dem Hofbuchdrucker Meinhold in Dresden in die Lehre, von 1803 an arbeitete er in der Jacobäer’schen Druckerei in Leipzig und dann auf der Wanderschaft eine Zeit lang in Preßburg. 1806 nach Leipzig zurückgekehrt, übernahm er die Leitung der kleinen Weinedel’schen Druckerei (auf der Windmühlengasse, später in Reichel’s Garten), führte sie nach Weinedel’s, seines Schwagers, Tode (1808) noch drei Jahre lang für Rechnung der Erben und kaufte sie dann: seit dem 21. Februar 1811 führte er sie unter seiner eignen Firma: B. G. Teubner.

Obwohl ohne eigne Mittel, brachte er doch durch Fleiß, Umsicht und Geschick die kleine, nur aus zwei hölzernen Handpressen und einer geringen Auswahl von Schriften bestehende Druckerei bald in die Höhe. Zu den hervorragenderen Buchhändlern, die ihn damals mit Aufträgen versahen und dadurch förderten, gehörte namentlich Hahn in Hannover. Schon nach 10jährigem Bestehen seines Geschäfts, 1821, konnte Teubner ein von ihm selbst erbautes großes Haus am jetzigen Augustusplatz beziehen; mit 11 hölzernen Handpressen siedelte er dorthin über. (Vorher hatte er noch für F. A. Brockhaus, der, weil er kein gelernter Buchdrucker war, keine Druckerei unter seinem Namen errichten durfte, [610] die „zweite Teubner’sche Buchdruckerei“ eingerichtet, die vom Januar 1818 bis zum October 1821 für Rechnung von F. A. Brockhaus bestand und dann von Friedrich Brockhaus übernommen wurde.) Auch in dem neuen Hause gewann das Geschäft immer größere Ausdehnung. Aufträge bedeutender Verleger, seit 1831 der Druck der Leipziger Zeitung, seit 1835 der Druck des Börsenblattes für den deutschen Buchhandel, dazu eigne Verlagsunternehmungen machten eine fortwährende Vermehrung des typographischen Materials nöthig. Schließlich reichten auch die Räume des neuen Hauses nicht mehr aus, und es mußte abermals ein Neubau neben dem bisherigen begonnen werden, der 1839 bezogen wurde. Die Druckerei hatte jetzt 2 Schnellpressen und 25 meist eiserne Handpressen, und mit ihr waren eine Gravieranstalt, eine Schriftgießerei, eine Stereotypie und eine xylographische Anstalt verbunden. Von der damaligen Leistungsfähigkeit des Geschäfts bietet das zum 400jährigen Jubiläum der Erfindung der Buchdruckerkunst erschienene Werk von C. C. Falkenstein: „Geschichte der Buchdruckerkunst“ die beste Vorstellung. Einen nochmaligen Erweiterungsbau führte T. 1852 aus, so daß das Geschäft nun vier, einen quadratischen Hof umschließende Gebäude umfaßte. Neben dem Leipziger Geschäft aber hatte er schon 1832 auch in Dresden eine Buchdruckerei errichtet, in der die Verhandlungen des sächsischen Landtags, das Dresdner Gesangbuch und das amtliche Dresdner Journal und auch sonst noch mancherlei gedruckt wurde für die sächsischen Landesbehörden, deren Wohlwollen sich T. durch seine pflichtgetreue Geschäftsführung ebenso zu erwerben gewußt hatte, wie das Vertrauen seiner Geschäftsfreunde. Von 1831–1833 war er auch Mitglied des Leipziger Stadtraths.

Die Anfänge seines Verlagsgeschäfts reichen bis 1824 zurück. Schon damals begann T. eine Sammlung griechischer und lateinischer Classiker zu verlegen, die nach und nach auf 80 Bände kam. An sie reihte sich eine Anzahl anderer Werke meist philologischen Inhalts, vor allen die auf F. Passow’s Anregung 1826 begründeten, noch heute bestehenden „Jahrbücher für Philologie und Pädagogik“. Eine andere Richtung erhielt der Verlag durch Teubner’s Mitarbeiter Eduard Koch, seinen späteren Schwiegersohn, der seit 1832 in dem Geschäft thätig war: die Richtung auf die populäre Heftlitteratur, illustrirte und belletristische Schriften. Später kam die anfangs verfolgte wissenschaftliche Richtung wieder mehr zur Geltung, und 1849 begann die Bibliotheca scriptorum Greacorum et Romanorum Teubneriana, an die sich wieder zahlreiche wichtige Schriften aus dem Gebiete der classischen Philologie und Alterthumswissenschaft, abwechselnd mit Werken aus anderen Zweigen der Wissenschaft, namentlich der Theologie, Mathematik, Geschichte und Medicin anschlossen.

In den letzten Jahren seines Lebens standen dem unermüdlich Thätigen namentlich zwei Schwiegersöhne zur Seite: Adolf Roßbach und Albin Ackermann. Roßbach war schon seit 1845 Theilhaber der Dresdner Druckerei gewesen, 1853 trat er als Theilhaber für sämmtliche Geschäfte in Leipzig ein, Ackermann zu derselben Zeit in Dresden; Koch zog sich 1854 zurück. Eine vierte Tochter Teubner’s war an Rudolf Dietsch, den Rector der Fürstenschule in Grimma, verheirathet. In Dietsch’s Gesellschaft besuchte T. noch 1855 die deutsche Philologenversammlung in Hamburg; bald darauf erkrankte er und genas nicht wieder. Nach seinem Tode, in den sechziger Jahren, wurde das immer mehr sich ausbreitende Geschäft auf die Poststraße verlegt.

T. war durchaus ein Mann eigner Kraft. Gewiß war er auch durch glückliche Umstände begünstigt worden; aber den größten Theil seines Erfolges verdankte er doch seinem Fleiße, seiner Ausdauer und der Klarheit und Sicherheit seines geschäftlichen Blickes. Dabei war er „ein Mann von strenger Rechtlichkeit, liebevoll im Familienkreise, wohlwollend gegen seine Untergebenen, ja theilnehmend [611] fürsorglich für diejenigen unter ihnen, die sich durch treue Pflichterfüllung seine Zuneigung zu erwerben verstanden“.

Verlagskatalog von B. G. Teubner in Leipzig, ausgegeben am 21. Febr. 1861. (Jubiläumskatalog mit Teubner’s Bildniß.)