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Artikel „Matthies, Konrad Stephan“ von Adolf Häckermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 674–675, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Matthies,_Konrad_Stephan&oldid=- (Version vom 9. Dezember 2019, 20:43 Uhr UTC)
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Band 20 (1884), S. 674–675 (Quelle).
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Matthies: Konrad Stephan M., geistvoller Theolog und Philosoph im akademischen Lehrfach, ward geb. zu Hildesheim am 8. April 1807 und starb am 13. Mai 1856 in der Heilanstalt zu Zehlendorf. Im elterlichen Hause mit Hülfe von Privatunterricht erzogen, besuchte er nach seiner Confirmation 1821 das Gymnasium Andreanum seiner Vaterstadt unter dem Director Seebode und verließ dasselbe Michaelis 1826 nach bestandener Prüfung mit einem glänzenden Zeugniß. Mit ungewöhnlichen Naturanlagen begabt, übte er alle freien Künste, Schwimmen, Reiten, Fechten mit Eifer und Geschick. Gerade diese Vielseitigkeit seiner Naturanlagen und die fast überreiche Entwickelung derselben in der Jugend erschwerte ihm die definitive Wahl eines Lebensberufes; endlich entschied er sich für die Theologie und lag derselben zwei Jahre hindurch zu Göttingen ob. Sodann siedelte er für ein Jahr nach Berlin über, woselbst er Aufnahme im Hause seines Schwagers, des Professors Bopp, fand und unter besonderer Leitung seines Oheims Marheineke mit nachhaltigstem Eifer speculative Theologie und Philosophie studirte. Hier faßte er auch den akademischen Lehrberuf ins Auge, als er den ersten Universitätspreis wegen seiner Abhandlung „über die Taufe“ erhalten hatte, während der später als Diplomat bekannt gewordene Abeken den zweiten erhielt, und begab sich nach bestandenem Licentiaten-Examen nach Greifswald. Hier lehrte er anfangs als Privatdocent der Theologie und ward in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Bestrebungen und Leistungen am 31. October 1832 zum außerordentlichen Professor ernannt. Seine Vorlesungen während dieser Zeit hielten sich im Bereich der exegetischen, historischen und dogmatischen Theologie; abwechselnd ward ihm zugleich die neutestamentlich-exegetische oder die dogmatische Abtheilung des theologischen Seminars zur Leitung übertragen. Auch wirkte er drei Jahre hindurch als Mitglied der wissenschaftlichen Prüfungskommission für das theologische Fach. Als jedoch in der Folge bei den leitenden Behörden das Bestreben obwaltete, die Theologie dem Einflusse der Hegel’schen Philosophie zu entziehen und M. sich dadurch in seinem Lehrberufe eingeengt fühlte, ging er zu der philosophischen Facultät über und ward im J. 1844 zum ordentlichen Professor der Philosophie ernannt, in welchem Fache er neben Stiedenroth und Erichson wirkte, und mehrere Gebiete in den Kreis seiner Vorlesungen zog, welche bisher noch nicht durch jene vertreten waren. Durch seine reichen Naturanlagen, sein klangvolles Organ, seine pädagogische Befähigung hatte er auch in seinem neuen Lehramte einen hervorragenden Einfluß auf die akademische Jugend. Sein Enthusiasmus für den speculativen Tiefsinn des Hegel’schen Systems und die imponirende Folgerichtigkeit in der dialektischen Entwickelung desselben rissen unwillkürlich auch die Zuhörer fort und regten dieselben so mächtig wie nachhaltig zu selbständiger Denkthätigkeit an. Die schriftstellerische Veröffentlichung seiner philosophischen Betrachtungen und Forschungen verzögerte sich anfangs wohl durch das Bewußtsein seiner Abhängigkeit von dem großen Meister der Speculation, später wurde sie durch seine Erkrankung und seinen Tod verhindert. Seine Vorlesungen betrafen Anthropologie, philosophische Encyklopädie, Philosophie der Geschichte und philosophische Ethik. Gewann ihm schon sein lebensfrisches und kraftvolles [675] Auftreten die Herzen der Jugend, so fesselte sie vollends das nie verleugnete Wohlwollen und die edle Humanität seines Wesens. In geselligen Kreisen war er eine höchst beliebte und angesehene Persönlichkeit und wußte die Würde der Wissenschaft und seiner Lebensstellung mit Heiterkeit und Jovialität zu vereinigen. Der Entwickelung unseres nationalen Lebens wandte er sich in politisch bewegter Zeit mit lebhaftestem Interesse zu. Das Vertrauen seiner Mitbürger berief ihn 1848 unter die Abgeordneten der Paulskirche, wo er für eine gemäßigte liberale Tendenz eintrat. Auch die höchste Würde der Theologie wurde ihm zu Theil, und das Rectorat der Universität verwaltete er im J. 1852. Veröffentlicht hat er: „Erklärung des Briefes Pauli an die Galater“, Greifswald 1833; „Erklärung des Briefes an die Epheser“, ibid. 1834; „Erklärung des Briefes an die Philipper“, ibid. 1835; „Propädeutik der neutestamentlichen Theologie“, ibid. 1836; „Baptismatis expositio biblica historica dogmatica“, Berlin 1840; „Erklärung der Pastoralbriefe“, Greifswald 1840; „Ueber die Platonische und Aristotelische Staatsidee“, ibid. 1848. Mit W. Vatke zusammen gab er heraus: „Theologische Vorlesungen von Ph. Marheineke“, 4 Bde., Berlin 1847–49. Die allmählich wachsenden Symptome eines geistigen Leidens, zu welchem er, nach seiner leicht erregten und exaltirten Stimmung zu schließen, schon lange körperlich disponirt sein mochte, unterbrachen 1855 seine fruchtbare Thätigkeit und ließen ihn Heilung in der Anstalt zu Zehlendorf suchen; indeß erlag er bereits im Jahre darauf der Krankheit und ward in der Familiengruft auf dem Dreifaltigkeitskirchhofe bestattet.

Personalakten und Album der Universität Greifswald, durch Privatmittheilungen vielfach ergänzt und vervollständigt.