Hauptmenü öffnen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Mallinckrodt, Arnold“ von August Döring in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 141–143, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mallinckrodt,_Arnold&oldid=- (Version vom 11. November 2019, 22:23 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 20 (1884), S. 141–143 (Quelle).
Wikisource-logo.png Arnold Mallinckrodt bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Arnold Mallinckrodt in der Wikipedia
GND-Nummer 100199054
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|20|141|143|Mallinckrodt, Arnold|August Döring|ADB:Mallinckrodt, Arnold}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=100199054}}    

Mallinckrodt: Arnold M., dortmundischer Lokalhistoriker, bedeutender Publicist und politischer Schriftsteller, geb. am 27. März 1768 zu Dortmund, † am 12. Juni 1825. Er gehörte einer alten Dortmunder Patrizierfamilie an, die, ursprünglich heimisch auf Burg Mallinckrodt bei Witten a. d. Ruhr, schon im 16. Jahrhundert nach Dortmund übergesiedelt war und der auch die sonst bekannt gewordenen M. entstammen. Den Adel hat die Familie in Dortmund abgelegt. Für die Lebensverhältnisse Mallinckrodt’s bin ich mit Ausnahme weniger Notizen auf die aus seinen Schriften sich ergebenden Data angewiesen. Auch der anonyme Verfasser des unten anzuführenden Nekrologs klagt über die Vergeblichkeit seiner Bemühungen, etwas Vollständigeres über sein Leben zu erlangen und erklärt das Wenige nur geben zu wollen, damit sein Name nicht fehle. Im J. 1788 erlangte er zu Jena den juristischen Doctortitel durch eine „Dissertatio inauguralis de praescriptione servitutum exstinctiva“. Es folgt: „Versuch über die Verfassung der Kaiserlichen und des heiligen Römischen Reichs freyen Stadt Dortmund. Von Arn. Mallinckrodt, Doctor der Rechte und Mitglied des Raths.“ 2 Bändchen. Dortmund 1795. Im Anschluß hieran erschien unter seiner Redaction, ohne daß diese jedoch auf dem Titel bemerkbar gemacht wäre, 1796 das „Magazin von und für Dortmund“ in vier Jahresheften, mit Aufsätzen Mallinckrodt’s und Anderer zur Geschichte und Verfassung von Dortmund. Seit 1797 heißt der Titel „Magazin für Westfalen“, die Zahl der jährlichen Hefte steigt auf sechs, Plan und Mitarbeiterschaft erweitern sich. Seit 1799 erscheint der bekannte westfälische Historiker Weddigen, Pfarrer in Kleinbremen, als Mitherausgeber. Inzwischen hatte M. im Juli 1798 jene für das geistige Leben Nordwestdeutschlands auf Decennien hin so bedeutende Wochenschrift, den „Westfälischen Anzeiger“ ins Leben gerufen, dessen Redacteur er bis 1803 und im J. 1805 war. Anfang 1799 wurde er Theilhaber einer Verlagsbuchhandlung [142] zu Dortmund unter der Firma „Gebrüder Mallinckrodt“, die 1816 an Wundermann überging. Er bemerkt jedoch 1813 in der weiter unten anzuführenden „Vernehmlassung“, daß er nur „stiller Gesellschafter einer Buchhandlung sei, deren er schon längst gern erledigt worden wäre“. In diesem Verlage erschien von ihm herausgegeben 1810 der Nachlaß des Pfarrers Möller zu Elsey bei Limburg a. d. Lenne und später der Nachlaß Seidenstücker’s, ferner 1811 (anonym): „Beobachtungen und Ansichten. Kleine Beyträge für’s praktische Leben“, 1811–13 drei Bauernkalender, 1814 „Vater Jakob, der reich gewordene Bauer“. Inzwischen war er 1803, als Dortmund durch den Reichsdeputationshauptschluß an Nassau-Oranien kam, von diesem Staate zum Regierungsrath zu Dortmund ernannt worden, und noch in einem vom 2. Juli 1815 datirten Flugblatte „An meine Mitbürger“ vertheidigt er sich gegen Verdächtigungen in Bezug auf diese Thätigkeit. Aus diesem Flugblatte geht zugleich hervor, daß er auch in der nachfolgenden Franzosenzeit in Dortmund in der Verwaltung thätig war und sich namentlich um die städtischen Finanzen Verdienste erworben hatte. Auch rühmt er sich hauptsächlich bewirkt zu haben, daß Dortmund Departementsstadt wurde. Auf sein Wirken in dieser Zeit beziehen sich ferner zwei andere Flugschriften: „Vernehmlassung des vormaligen Regierungs- und Präfekturraths Dr. A. Mallinckrodt zu Dortmund in Beziehung auf die Verfügung des Herrn Vicepräsidenten des Tribunals zu Dortmund vom 30. August 1813“, d. d. 18. September 1813, und „Vernehmlassung auf den Erlaß des Herrn Vicepräsidenten Richter vom 20. October 1813“. Beide beziehen sich auf seine Thätigkeit als Anwalt ländlicher Grundbesitzer. Inzwischen war die große Katastrophe von 1813 eingetreten und die Ostermesse 1814 brachte von M. das erste Bändchen der Schrift „Was thun bei Deutschlands, bei Europas Wiedergeburt?“ Er widmet dasselbe „den hohen Verbündeten des großen, ehrwürdigen Bundes für Wahrheit und Recht, für Menschen-, Bürger- und Staatenwohl mit dem freudigen Hochgefühl: Es wird besser werden in der Welt!“ Einige Hauptparagraphen dieser Schrift, deren Tendenz schon obige Widmung errathen läßt, hatte er schon unter dem 23. December 1813 als Broschüre unter gleichem Titel ausgehen lassen; ein zweites Bändchen erschien ebenfalls noch 1814, desgleichen „Versuchter Entwurf einer Landesgrundverfassung für Staaten deutschen Stammes“, Leipzig 1814. Im folgenden Jahre erschien: „Bemerkungen über Deutschlands Litteratur und Buchhandel“, Dortmund; 1817 „Berufung der Oeffentlichkeit an die Oeffentlichkeit“, Dortmund; „Preßfreiheit, Preußens Grundton“; 1818 „Zeitgegenstände, kleine Beyträge über Staatsverfassung und Staatsverwaltung“. – Bald nach der preußischen Occupation Dortmunds hatte ihn ein öffentlicher Protest gegen das Exerciren und Trommelschlagen der Truppen während des Gottesdienstes in einen Proceß mit dem General Thielmann verwickelt. Wahrscheinlich auf diesen Proceß bezieht sich die mir nicht zugängliche Schrift „Ein merkwürdiger Proceß in zwei Proceßakten“, Dortmund 1818. Im J. 1819 erschien „Ein Angriff der preußischen Staatszeitung und eine Vertheidigung in Aktenstücken. Ein Beytrag zur Geschichte der Zeit, insbesondere zur Verwaltung in derselben“, Jena. Der Angriff betraf eine Nachricht in dem Westfälischen, damals Rheinisch-Westfälischen, Anzeiger über einen Militärexceß; die Schrift enthält einen ausführlichen Briefwechsel über den Gegenstand zwischen M. und dem Geh. Staatsrath v. Stägemann in Berlin. Endlich gehört noch diesen politischen Bestrebungen an die Schrift „Beredsamkeit ein Bedürfniß unsrer Zeit“, Jena 1819. Daneben war er in diesen Jahren auf seine ältesten Bestrebungen zurückgekommen, indem er 1816 in vier Jahresheften ein „Neuestes Magazin, der Geographie, Geschichte, Statistik, überhaupt der genauen Kunde Westfalens gewidmet“, Dortmund in der Wilh. Mallinckrodt’schen Verlagsbuchhandlung, herausgab. Hiervon scheint jedoch [143] nur dieser eine Jahrgang erschienen zu sein. Während der Jahre 1817–1819 versuchte er sich als juristischer Universitätslehrer, indem er sich als Privatdocent in Jena habilitirte. Dieser Wirksamkeit entstammen die Schriften „Leitfaden zu Vorlesungen über deutsches Privatrecht“; „Ueber Behandlung des deutschen Privatrechts“; „Umriß meiner Vorlesungen über praktisches Geschäftsleben“, sämmtlich Jena 1819. Im J. 1819 finden wir ihn vorübergehend als Redakteur des Neuen Rheinischen Merkur; dann zog er sich als Landwirth auf sein Gut Schweve bei Soest zurück. Hier schrieb er „Ueber Beredsamkeit überhaupt und über geistliche, Staats- und gerichtliche Beredsamkeit insbesondere“, Schwelm bei M. Scherz. 1821. Seine letzten Lebensjahre brachte er in seiner Vaterstadt Dortmund zu. In den aufgeführten Schriften tritt uns überall das Bild eines bedeutenden, kenntnißreichen Mannes von großer Thätigkeit und edelster Gesinnung entgegen, dessen Wirken, als nicht nur für seine nähere Umgebung bedeutend und segensreich, sondern auch für seine Zeit charakteristisch, eine eingehendere Erforschung und Darstellung verdienen möchte.

Eine kurze anonyme Skizze seines Lebens in: Neuer Nekrolog der Deutschen III. 2 (1825), Ilmenau 1827 S. 1472 ff. unter Nr. 175.