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Artikel „Daum, Christian“ von Heinrich Julius Kämmel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 770–771, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Daum,_Christian&oldid=- (Version vom 18. Oktober 2019, 02:32 Uhr UTC)
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Band 4 (1876), S. 770–771 (Quelle).
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Daum: Christian D., unter den durch vielseitige Gelehrsamkeit und große Erfolge in amtlicher Wirksamkeit ausgezeichneten Schulrectoren der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts einer der trefflichsten. Er war zu Zwickau am 29. März 1612 geboren, als Sprößling einer aus Regensburg stammenden Patricierfamilie, besuchte zuerst, ein früh reifendes Talent, das Gymnasium seiner Vaterstadt, das damals der Orientalist Zechendorf leitete, ging sodann in sehr trüber Zeit (1633) zur Universität Leipzig über, wo er unter den ärgsten Störungen doch erfreuliche Fortschritte machte und mit dem Philologen Kaspar Barth in ein besonders freundliches Verhältniß trat, und kehrte endlich (1642) nach Zwickau zurück, um an der Anstalt, welcher er selbst seine erste Bildung verdankte, als Tertius einzutreten. Er wirkte in dieser bescheidenen Stellung neben Zechendorf 20 Jahre, bis dessen Tod (1662) ihm den Zugang zum Rectorate eröffnete, in das er doch, wie aus seiner Antrittsrede zu erkennen ist, mit Zagen und Sorgen eintrat. Aber er bewährte sich bald als Meister. Seit langen Jahren hatte er die umfassendsten Studien gemacht und war so im Sinne jener Zeit ein Polyhistor geworden. Die orientalischen, die classischen, die neueren Sprachen und die dazu gehörigen Zweige der Wissenschaft beherrschte er so, daß er eine lebendige Bibliothek, ein wandelndes Museum genannt wurde. Umgeben von einer stattlichen Büchersammlung, die er bei kärglichem Einkommen fortwährend noch vermehrte, war er rastlos thätig in gelehrter Arbeit, und was er an Früchten daraus gewann, das pflegte er auch wieder neidlos, ja im höchsten Grade gefällig nach allen Seiten mitzutheilen. Sein gelehrter Briefwechsel brachte ihn mit vielen bedeutenden Männern in anregende Verbindung und führte die Ergebnisse seines Forschens in bescheidenster Form der wissenschaftlichen Bewegung seines Zeitalters zu. Anderes bot er in einer Reihe von Schriften dar, die den Beweis gaben, daß ihm auch das Entlegenste nicht verborgen blieb und das Unscheinbarste Werth für ihn hatte. Aber so anhaltende Studien hinderten ihn nicht, der Schule und den Schülern die eingehendste Theilnahme zuzuwenden. Die Frequenz des Gymnasiums hob sich in der erfreulichsten Weise, und wie er dem Unterrichte große Sorgfalt zuwendete, so suchte er auch durch besondere Fürsorge denen, die ihm näher traten, nützlich zu werden; nicht selten nahm er einzelne Schüler mit sich auf seine einsamen Spaziergänge durch Feld und Wald. Die Lehrweise der von ihm geleiteten Anstalt unterschied sich übrigens nicht sonderlich von der damals sonst in protestantischen Gymnasien üblichen: das Lateinische nahm den breitesten Raum ein, und dabei wandte der Rector selbst die größte Mühe auf die Versübungen, bei denen er gelegentlich wol auch zeigte, wie der einzelne Vers hundertfach verändert werden könne. Im Griechischen, dessen Studium D. auch als Schriftsteller durch seinen „Indagator et restitutor graecae et latinae linguae radicum“ gefördert hat, kam man doch über Posselii evangelia graeca und Nonni paraphrasis in Johannem nicht hinaus, soweit nicht mit den zum Uebergange an die Universität sich bereitenden Schülern einzelnes aus [771] Homer und Euripides gelesen wurde. Die unter den Schrecken des dreißigjährigen Krieges abgekommenen Schulkomödien führte er 1671 wieder ein. In den letzten Jahren seines Wirkens sank die Frequenz der Schule, da das steigende Bedürfniß nach Kenntnissen, wie sie das bürgerliche Leben braucht, durch ihren Unterricht doch zu wenig befriedigt wurde und deshalb rings um sie Winkelschulen (Sammelschulen) sich erhoben; im J. 1682 trieb eine verheerende Seuche die fremden Schüler hinweg. Dazu kam, daß D. in seinen letzten Jahren fast ganz erblindete. Er starb am 15. Dec. 1687. – Seine Schriften, die z. Th. auch auf die Litteratur des Mittelalters sich beziehen, sind in Ludovici’s Schul-Historie III, 110 ff. und in Jöcher’s Gelehrten-Lexikon II, 53 aufgeführt; manche Ergebnisse seines unermüdlichen Fleißes, z. B. seine mit höchster Sorgfalt zusammengetragenen Glossarien, sind niemals in die Oeffentlichkeit getreten, wie auch von seinen Briefen das meiste ungedruckt geblieben ist. Die Rathsbibliothek in Zwickau bewahrt das meiste von dem, was er hinterlassen hat; denn in diese ist 1694 seine ganze Büchersammlung mit zahlreichen Handschriften und der Correspondenz, sowie seine Münzsammlung übergegangen. Wer das Gelehrtenleben jener Zeit in culturgeschichtlichen Bildern zur Anschauung bringen wollte, würde in jener Correspondenz die anziehendsten Materialien finden.

Ueber D. geben Nachrichten: Winter, Memoria Chr. D. (Witt. 1688, 4); Löscher, Memoria Chr. D., magni nominis critici et philologi (Witt. 1701, 4); besonders Herzog in seiner Geschichte des Zwickauer Gymnasiums (1869, 8) und Ilberg in der berichtigten Ausgabe von Daum’s Antrittsrede De rectoris officio scholastico (1869, 8). Eine wirklich befriedigende Biographie des verdienten Mannes fehlt noch.