ADB:Boxhorn, Marcus Suerius

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Artikel „Boxhorn, Marcus Suerius“ von Franz Xaver von Wegele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 218–219, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Boxhorn,_Marcus_Suerius&oldid=- (Version vom 5. Dezember 2020, 09:40 Uhr UTC)
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Boxhorn: Marcus Suerius B., geb. nach früherer Annahme 25. Sept. 1612, nach neuerer im J. 1602 zu Bergenopzoom, † 3. Oct. 1653, Enkel des im J. 1632 verstorbenen bekannten Theologen Heinrich B., empfing seine Bildung zu Leiden und that sich früh als lateinischer Dichter und philologischer Schriftsteller hervor. Im J. 1632 erhielt er den Lehrstuhl der Beredsamkeit an [219] der genannten Hochschule und bald darauf ein sehr verlockendes Anerbieten von Seite der Königin Christine von Schweden, das er aber ablehnte. Im J. 1636 wurde ihm die Verwaltung des „Collegium oratorium“ zu Leiden übertragen und im J. 1643 die Erlaubniß gegeben, die Studirenden durch öffentliche Redeübungen in der Staatswissenschaft und Geschichte auszubilden. Im J. 1648 endlich vertauschte er die Professur der Beredsamkeit mit jener der Geschichte, die D. Heinsius eben niedergelegt hatte. Aber schon fünf Jahre darauf raffte den thätigen Mann der Tod hinweg. Boxhorn’s Bedeutung lag offenbar überwiegend in seiner unmittelbaren Wirksamkeit als Lehrer und im Zusammenhange damit als Redner. Als Schriftsteller hat er nach der Weise jener Zeit in verschiedenen Disciplinen sich bewegt und eine nur zu große Fruchtbarkeit entwickelt. Seine Schriften findet man u. a. bei Jöcher und in J. van der Aa’s biographischem Wörterbuch am vollständigsten aufgeführt. In allgemeinen kann man die vorwaltende Richtung seines Geistes als die humanistisch-politische charakterisiren, wie sie damals in den Niederlanden in den gelehrten Kreisen überall die herrschende war. Aber, wie schon angedeutet, es steht allerdings der wirkliche Werth seiner Leistungen mit dem Schwunge seines Geistes nicht im Einklang. Als lateinischer Dichter wird er ziemlich niedrig geschätzt und seine Leistungen in der classischen Philologie – meist Ausgaben und Commentirungen einer Reihe von römischen Autoren – werden als durchaus mittelmäßige Compilationen bezeichnet. (Vgl. z. B. L. Müller’s Geschichte der classischen Philologie in den Niederlanden, S. 42.) Als Historiker ist B. durch seine „Historia universalis sacra et profana a Christo nato ad a. 1650“, die später der ältere (Otto) Mencke um eine Dekade vermehrt hat, am bekanntesten geworden. Aber auch sie ist nicht mehr als eine geschickte Compilation. Seine „Nederlandsche Historien. I. Boek“ sind unkritisch und unzuverlässig, seine „Historia obsidionis Bredanae et rerum a. 1637“ in erster Linie eine gewandte Stilübung. Sein „Originum Gallicarum liber“ entbehrt jeder sicheren ethnographisch-linguistischen Grundlage: er leitet z. B. die Gallier von den Skythen her. Am werthvollsten sind unverkennbar seine zwei Bücher: „Institutionum seu disquisitionum politicarum“, die ein logischer und zugleich muthiger und freier Geist durchweht, ihr nationalökonomischer Inhalt hat in neuester Zeit sogar eine glänzende Anerkennung gefunden. (Vgl. Roscher, Geschichte der National-Oekonomik in Deutschland, S. 222 ff.) Eine Anzahl Briefe Boxhorn’s nebst seinen lateinischen Gedichten hat der Leidener Professor Jakob Thomasius im J. 1673 zu Leipzig herausgegeben. (Zu vgl. Biographisch Woordenboek der Nederlanden – door A. J. van der Aa II. 3. p. 1122.)