ADB:Baumgartner, Hieronymus

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Artikel „Baumgartner, Hieronymus“ von Victor von Kraus in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 168–169, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Baumgartner,_Hieronymus&oldid=- (Version vom 28. November 2020, 12:30 Uhr UTC)
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Baumgärtner: Hieronymus von B. auf Lonerstadt, verdienstvoller Senator der Stadt Nürnberg und eifriger Förderer des Protestantismus, geb. 9. März 1498 zu Nürnberg, † 8. December 1565 daselbst. Nach einer sorgfältigen Ausbildung zu Ingolstadt unter Leitung des Jakob Lochner, zu Leipzig und seit 1518 zu Wittenberg, wo er neben Georg Maior und Joachim Camerarius häufig im Hause Melanchthon’s verkehrte und Luther kennen lernte, kehrte er nach Nürnberg zurück, um sich ganz dem Dienst seiner Vaterstadt zu widmen. 1525 erlangte er die Würde eines Senators, 1533 trat er in die Reihe der älteren Bürgermeister, 1549 wurde er Mitglied des Septemvirats und 1558 des Triumvirats der Stadt. Seine eminente politische Begabung zeigte er bei der Besorgung der schwierigsten Missionen an den zahlreichen Reichstagen, Conventen und Städtetagen der damaligen Zeit. So vertrat er die Stadt auf den Reichstagen zu Speier 1529, zu Augsburg 1530, und 1536 auf dem Tage zu Schmalkalden. Als er 1544 von dem Reichsconvent zu Speier heimkehrte, wurde er am 31. Mai von dem Ritter Albrecht von Rosenberg in einem Walde bei Seinsheim wegen alter Streitigkeiten des schwäbischen Bundes mit Nürnberg gefangen genommen. Ein Jahr und 62 Tage blieb er in der harten Gewalt des Ritters, der ihn erst am 21. August 1545 gegen ein Lösegeld von 800 Goldgulden und Leistung der Urfehde entließ. Seinen regen Sinn für das Reformationswerk bekundete er durch seine Theilnahme an dem Nürnberger Religionsgespräch 1525 und an mehreren Kirchenvisitationen, durch die freilich wider Willen übernommene Durchführung des Interims, endlich durch einen ausführlichen meisterhaften Bericht über das Religionsgespräch, das wahrscheinlich auf seine Veranlassung zwischen Johann Agricola und mehreren nürnbergischen protestantischen Theologen veranlaßt wurde. Auch die Pflege der Schule und allgemeiner Bildung lag ihm am Herzen. So war er bei der Umwandlung der niederen Schule zu St. Aegid in Nürnberg in ein Gymnasium besonders thätig und hatte die Freude, diese Anstalt 1526 durch eine Rede Melanchthon’s eröffnet zu sehen. 1538 legte er den Grund zur Nürnberger Stadtbibliothek, der später Baumgärtner’s eigene Büchersammlung zuwuchs. Luther’s Frau, Katharina Bora, war ursprünglich ihm als Gemahlin bestimmt. Wir wissen nicht, weshalb sich die Sache zerschlug. Thatsache ist, daß B. am 23. Januar 1526 mit Sybilla Dichtlin, der Tochter eines bairischen Oberamtmanns, sich verheirathete, die ihm sechs Töchter und einen Sohn Hieronymus, der zur Unterscheidung den Beinamen der Jüngere führt, schenkte.

[169] B. stand mit den berühmtesten Zeitgenossen in lebhaftem Briefwechsel. So mit Melanchthon, Kaspar Peucer, mit Camerarius, der auch eine Vita H. Baumgartneri (edid. Waldau Nor. 1785) schrieb. J. F. Koth theilt in Kiefhaber’s Anzeigen 1802 einen Auszug aus Baumgärtner’s eigenhändiger Relation über seine Gefangenschaft mit.

Will-Nopitsch, Nürnb. Gelehrten-Lexikon, III. Theil 1757. VII. Theil 1806. Eine Medaille mit Portrait (abgeb. in Will’s Münzbelustigungen und bei Camerarius) und nach diesem gefert. späterer Kupferstich im Nürnb. Germ. Museum. v. Liliencron, Histor. Volkslieder IV. S. 255 ff.