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Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt

UEBER DAS LEBEN MOSIS
Zweites Buch

1 (1.) Das erste Buch handelte von Moses’ Geburt und [II p. 134 M.] seiner ersten Pflege, ferner von seiner Erziehung und von der Herrschaft, die er nicht bloss vorwurfsfrei, sondern auch sehr rühmlich geführt hat, sowie von seinen Taten in Aegypten, auf den Wanderungen am roten Meere und in der Wüste, Taten, die eigentlich für jede Fähigkeit der Darstellung zu gross sind, ausserdem von den Mühsalen, die er glücklich bestand, und von der teilweise durch ihn erfolgten Landanweisung an die Teilnehmer des Zuges; das vorliegende Buch handelt nun von dem, was damit in engem Zusammenhange steht. 2 Man sagt ganz zutreffend, dass die Staaten nur dann zu günstigeren Verhältnissen fortschreiten können, wenn entweder die Könige Philosophen werden oder die Philosophen Könige[1]. Es wird sich nun zeigen, dass Moses in hohem Masse nicht nur diese Fähigkeiten, die des Königs und des Philosophen, in einer Person aufwies, sondern noch drei andere, von denen die eine auf dem Gebiete der Gesetzgebung sich bewegt, die zweite auf dem des [p. 135 M.] Oberpriestertums und die letzte auf dem der Prophetie. 3 Ueber diese will ich jetzt sprechen in der unabweisbaren Voraussetzung, dass sie alle auf ihn Anwendung finden; denn dank der göttlichen Vorsehung wurde er König, Gesetzgeber, Oberpriester und Prophet und leistete in jedem dieser Aemter das Höchste. Weshalb aber auf den einen alles sich anwenden lässt, das ist jetzt zu zeigen. 4 Ein König muss befehlen, was man tun soll, und verbieten, was


  1. Plato Staat V p. 473 d.
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Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 298. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloMos2GermanBadt.djvu/001&oldid=- (Version vom 1.8.2018)