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es still. Günther sah das Zimmer mit der grünverhangenen Lampe, auf dem Sessel nebenan saß ein fremdes, schwarzes Figürchen mit einer weißen Haube. „Ist es Nacht?“ fragte er. „Abend,“ antwortete eine fremde, sanfte Stimme. Das schwarze Figürchen kam und gab ihm etwas zu trinken. Günthers Blicke irrten im Zimmer umher. „Ja – Wilhelmstraße – Berlin,“ sagte die fremde Stimme. „Ja – Berlin,“ wiederholte er matt und wie enttäuscht.

Denselben Abend, als der alte Graf Eberhardt sich im Rollstuhl den hellerleuchteten Korridor auf und ab fahren ließ, was er seine Motion nannte, ließ sich Frau Cibò-Berkow melden. Das erfreute ihn. Er empfing Mareile mit seinem liebenswürdigen, lange nicht gebrauchten Lebemannslächeln: „Welche Ehre, meine Gnädige! Ich weiß, der Besuch gilt nicht mir altem Krüppel, aber man profitiert, wo man kann.“

„Ich wollte Nachricht von Ihrem Neffen,“ sagte Mareile geschäftsmäßig.

Der Graf lächelte galant: „Beruhigen Sie sich, meine Gnädige, wir liefern ihn Ihnen schon wieder neuaufpoliert ab. Vorlaut sind unsere jungen Leute genug, aber daß sie uns alten das Sterben wegschnappten, das hoffe ich doch nicht.“

„Ich will ihn sehn,“ versetzte Mareile. Der Graf kicherte: „Na, jetzt wird er sich nicht besonders präsentieren.“ Aber Mareile wiederholte ernst: „Bitte, ich will ihn sehn.“

Der Graf wurde ärgerlich. „Ja, ja, das Sentiment ist jetzt Mode. Na, schließlich ist’s Ihr Drama, Sie sind sozusagen die Verfasserin – ha – ha. Johann, führe die gnädige Frau hinauf.“

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Eduard von Keyserling: Beate und Mareile. S. Fischer, Berlin [1903], Seite 135. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Beate_und_Mareile.djvu/135&oldid=- (Version vom 1.8.2018)