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Anonym: Edda

Harbard.
8
Hildolf heißt er,   der michs zu halten bat,

Der rathkluge Recke,   der in Radsei-sund wohnt.
Er widerrieth mir, Strolche   und Rossdiebe zu fahren:
Nur ehrliche Leute   und die mir lange kund sein.
Sag deinen Namen,   wenn du über den Sund willst.


Thôr.
9
Den sag ich dir frei,   obgleich ich hier friedlos bin,

Und all mein Geschlecht.   Ich bin Odhins Sohn,
Meilis Bruder   und Magnis Vater,
Der Kräftiger der Götter;   du kannst mit Thôr hier sprechen.
Ich habe zu fragen nun:   wie heißest du?


Harbard.
10
Harbard heiß ich,   ich hehle den Namen selten.


Thôr.
11
Was solltest du ihn hehlen,   wenn du schuldlos bist?


Harbard.
12
Obschon ich nicht schuldlos bin,   schütz ich mich doch leicht

Vor Einem wie Du bist;   mein Ende wüst ich denn nah.


Thôr.
13
Es dünkt mich beschwerlich   zu dir hinüber

Durchs Waßer zu waten   und mein Gewand zu netzen;
Sonst, Lotterbube,   lohnt’ ich wahrlich
Deinen Stachelreden,   stünd ich überm Sund.


Harbard.
14
Hier will ich stehen   und dich erwarten.

Du fandst wohl Keinen dir härtern   seit Hrungnirs Tod.59


Thôr.
15
Des gedenkst du nun,   daß ich mit Hrungnir stritt,

Dem starkherzgen Riesen,   dem von Stein das Haupt war;
Doch ließ ich ihn stürzen,   in Staub sinken.
Was thatest du derweil, Harbard?

Empfohlene Zitierweise:
Karl Simrock (Hrsg.): Die Edda, die ältere und jüngere, nebst den mythischen Erzählungen der Skalda, 6. Aufl., Stuttgart 1876, Seite 60. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Edda_(1876).djvu/068&oldid=- (Version vom 31.7.2018)