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Am Tage hab’ ich nichts weiter zu thun, als die Blumen anzuschauen –

Der reine bläuliche Wootung Baum erlaubt nur dem seltnen Phönix auf seinen Zweigen zu ruhn –

Und der keusche smaragdfarbene Bambus – wie kann er zugeben, dass ihn die schmutzige Krähe beflecke!

Ich sende dies dem Waisen ähnlichen Fremdling aus einem andern Theile des Landes –

Damit er nicht störe den Frieden seiner Seele, indem er hofft, was unerreichbar ihm! –

Minghea nahm diese Strophen und begab sich damit in den Garten, wo Tingchang sehnsüchtig ihrer harrte.

Hier, mein Herr, sagte sie zu ihm, sendet Euch mein junges Fräulein eine Antwort, die mich aber nichts weniger erwarten lässt, als von euch das gazene Tuch zu erhalten.

Tingchang empfing die poetischen Zeilen und durchlas sie; je mehr er las, desto mehr bewunderte er Keaou Lẅans Talente und um so mehr war er entbrannt, sie zu besitzen. Er sagte deshalb zu Minghea: „Gedulde Dich ein Weilchen, meine Beste, denn dieses Schreiben Deiner jungen Herrin erfordert eine Erwiderung.“ Somit zog er sich in seine Bibliothek zurück, wo er folgende Strophe in vier Zeilen schrieb:

Wenn ich am Thore eines hohen Hauses wohne, hat es mein günstiges Geschick so gefügt –

Da ich ein waisenähnlicher Fremdling bin, so bin ich wahrlich des Mitleids werth. –

Empfohlene Zitierweise:
unbekannt, Adolf Böttger (Übersetzer): Die blutige Rache einer jungen Frau. Wilhelm Jurany, Leipzig 1847, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Die_blutige_Rache_einer_jungen_Frau.djvu/022&oldid=- (Version vom 31.7.2018)